Roaming - Kosten verständlich erklärt

Seit 15. Juni 2017 ist es soweit: Roaming, wie wir es bisher kannten, wurde abgeschafft. Streng genommen müssten dieser Aussage allerdings unzählige „aber" angehängt werden. Damit du nach deinem nächsten Urlaub keine unliebsamen Kosten auf deiner Handyrechnung wiederfindest, erklären wir dir im Folgenden alles, was du unbedingt zum Thema Roaming wissen solltest. Du kannst einzelne Passagen überspringen, sofern du dich nur für ein bestimmtes Thema interessierst.

Was ist Roaming?

Roaming (aus dem Englischen Verb „roam" – zu Deutsch herumstreunen, wandern, streunen) bezeichnet die Fähigkeit, sich mit einem anderen Mobilfunknetz als dem Heimnetz zu verbinden. Als Heimnetz wird dabei das Mobilfunknetz jenes Anbieters bezeichnet, bei dem du deinen Tarif abgeschlossen hast. Bei virtuellen Betreibern – also jenen, die keine eigene Infrastruktur besitzen, sondern sich ein bestehendes Netz mieten, zählt die Infrastruktur des gemieteten Netzes. Das Heimnetz von HoT ist also zum Beispiel T-Mobile.

Roaming und Auslandstelefonie

Roaming sollte nicht mit Auslandstelefonie verwechselt werden: Bei Roaming befindet man sich außerhalb seines Heimnetzes und nutzt sein Handy. Wenn du allerdings aus deinem Heimnetz (sprich: aus Österreich) eine ausländische Telefonnummer anrufst oder an diese SMS verschickst, gilt dies nicht als Roaming und wird daher 2017 auch nicht durch die EU reguliert. Du zahlst also nach wie vor teils äußerst hohe Gebühren, wenn du etwa von deinem Handy in Österreich nach Deutschland telefonierst.

Das führt zu einer interessanten Situation: Nachdem Roamingpreise reguliert sind, Auslandstelefonie aber nicht, wäre es häufig günstiger, in das EU-Ausland zu fahren und den Anruf von dort zu tätigen.

Kostet eine Minute Auslandstelefonie nach Deutschland (aus Österreich) bis zu 70 Cent, betragen die Kosten, wenn du den Anruf aus Italien durchführst, maximal 22,8 Cent. Für die meisten Konsumenten wäre der Anruf aus Italien sogar ohne Aufpreis möglich!

Kostet Roaming überall gleich viel?

Die Roamingkosten hängen stark davon ab, in welchem Land man sich selbst aufhält. Mobilfunkanbieter unterteilen die Welt in mehrere „Zonen", die unterschiedliche Preise aufweisen. Dabei bildet die EU die erste Zone, zu der je nach Anbieter noch weitere Länder hinzugefügt sein können (etwa Norwegen, Liechtenstein und Island). Länder, die nicht Teil dieser EU-Zone sind, weisen meistens deutlich höhere Roamingkosten auf. Als vereinfachte Faustregel gilt: Je weiter das Land von Österreich entfernt ist, desto teurer das Roaming. Die Kosten können je nach Zone massiv variieren, eine Minute Telefonie kann dich so mehrere Euro kosten, ein Gigabyte Datenvolumen bis zu 200€. Auch bei Fähren, Kreuzfahrtschiffen, in Flugzeugen sowie bei Satellitenverbindungen ist höchste Vorsicht geboten, da auch hier sehr hohe Preise verrechnet werden – selbst dann, wenn man sich geographisch betrachtet innerhalb der EU befindet! Durch die EU können lediglich jene Kosten vorgegeben werden, die in der EU-Zone anfallen.

Die EU-Zone umfasst ab Juni 2017 die EU sowie die Länder Norwegen, Liechtenstein und Island
Auch ab Juni 2017 wird Roaming nur innerhalb der EU-Zone günstiger. Andere Länder können deutlich höhere Roamingpreise aufweisen!

Was kostet Roaming innerhalb der EU?

Seit Juni 2017 kostet es dich im Normalfall nicht mehr, wenn du dein Handy im EU-Ausland verwendest. Wir klären in Kürze, was unter „Normalfall" verstanden wird – es wird aber davon ausgegangen, dass der absolute Großteil der Konsumenten diesen Normalfall erfüllen wird.

Zuerst muss unterschieden werden, ob dein Tarif bereits inkludierte Einheiten enthält. Das ist dann der Fall, wenn du eine monatliche Grundgebühr zahlst, und dafür eine gewisse Anzahl an Minuten/SMS/Gigabyte nutzen darfst. Wenn du hingegen für jede Nutzung einzeln zahlst – also für jede Minute, SMS oder Megabyte / Gigabyte, dann spricht man von einem „vorausbezahlten Tarif". Die Regeln für vorausbezahlte Tarife findest du hier!

Mein Tarif inkludiert Minuten / SMS / Gigabyte!

Wenn du einen Tarif abgeschlossen hast, der inkludierte Einheiten aufweist (Sprache, SMS oder Datenvolumen), und du nutzt dein Handy im EU-Ausland, werden dir die genutzten Einheiten einfach von deinem Tarif abgezogen. Für Sprachtelefonie und SMS zählt diese Regel unbegrenzt, du kannst im EU-Ausland also so viel verbrauchen, wie du es auch in Österreich kannst. Wenn du eine Flatrate hast, also unlimitiert Telefonieren oder SMSen darfst, kannst du auch in der gesamten EU-Zone unlimitiert Telefonieren oder SMSen.

Wenn du in ein Land anrufst / eine SMS schickst, das nicht Teil der EU-Zone ist, werden weiterhin Gebühren fällig. Die neue EU-Verordnung schützt dich nur, wenn du von einem Land der EU-Zone (EU & Norwegen, Liechtenstein, Island) in ein anderes Land der EU-Zone anrufst / SMS schreibst.

Das Empfangen von Anrufen sowie von SMS ist kostenlos und wird nicht von deinen inkludierten Minuten oder SMS abgezogen!

Datenroaming

Beim Datenvolumen dürfen die Mobilfunkanbieter aber eine Grenze festlegen. Das bedeutet, dass du beispielsweise in deinem Vertrag 5 Gigabyte Datenvolumen inkludiert hast, davon allerdings nur 2 Gigabyte auch in der EU-Zone nutzen darfst. Wie hoch diese Grenze ist, darf der Anbieter selbst festlegen, die EU-Verordnung gibt ihm aber eine Gigabyte-Grenze vor, die er mindestens erlauben muss. Es steht deinem Anbieter immer frei, dir mehr Gigabyte für die Nutzung in der EU-Zone zur Verfügung zu stellen, als rechtlich vorgeschrieben!

Und wenn ich mehr verbrauche?

Wenn du mehr telefonierst oder SMS schreibst, als in deinem Tarif inkludiert ist, zahlst du auch im EU-Ausland nur das, was du auch in Österreich zahlen würdest. Solltest du mehr Datenvolumen benötigen, als dein Anbieter dir erlaubt, wirst du je nach Tarif entweder gedrosselt der Internetzugang wird gesperrt, oder dir wird jedes weitere Megabyte verrechnet. Wenn du noch Datenvolumen in Österreich überhast, wird nun dieses aufgebraucht, allerdings mit einem Zuschlag von 0,9 Cent pro Megabyte. Wenn dieses auch aufgebraucht ist, zahlst du pro weiterem Megabyte jenen Preis, den du auch in Österreich zahlen würdest.

Wieviel Gigabyte darf ich verbrauchen?

Die Berechnung der Anzahl an Gigabyte, die du mindestens auch im EU-Ausland verbrauchen darfst, ist etwas schwieriger. Aus diesem Grund informieren dich meisten Mobilfunkanbieter direkt im Online-Kundenportal, wo du etwa deinen Verbrauch ansehen oder Rechnungen herunterladen kannst. Natürlich kannst du auch die Support-Hotline von deinem Mobilfunkanbieter fragen.

So viel Datenvolumen muss grob inklusive sein

Um dir einen schnellen Überblick zu verschaffen, findest du hier eine Tabelle, die zu jeder Brutto-Grundgebühr das Minimum an Datenvolumen angibt, die du auch im EU-Ausland nutzen darfst. Die Brutto Grundgebühr entspricht dem Betrag, den du als Privatkunde an deinen Anbieter überweist. Dein Anbieter verrät dir in der Kundenzone im Internet, oder über seine Telefonhotline, wieviel Gigabyte bei deinem Tarif in der EU verbraucht werden können!

Grundgebühr (Brutto) Grundgebühr (Netto) Mindestens verfügbares Datenvolumen
5€4,17€1,082
10€8,33€2,16
15€12,5€3,25
20€16,67€4,33
25€20,83€5,41
30€25€6,49
35€29,17€7,58
40€33,34€8,66
45€37,5€9,74
50€41,67€10,82

So berechnest du die Gigabyte-Grenze

Wenn du dich für die Methode interessierst, erklären wir sie dir natürlich gerne. Zuerst musst du herausfinden, ob dein Vertrag einen „Referenztarif" aufweist. Bei einem Tarif, den es sowohl als SIM-Only, als auch als Version mit günstigerem Handy gibt, zählt etwa der SIM-Only Tarif als Referenztarif, der meistens etwas günstiger ist als der Tarif mit Smartphone dazu. Auch, wenn du deinen Mobilfunktarif etwa durch ein Kombi-Angebot bekommst, das neben dem Handytarif auch noch weitere Produkte, wie etwa Internet für Zuhause, aufweist, muss ein Referenztarif gefunden werden.

In diesem Fall müssen Mobilfunker einen sehr ähnlichen Tarif wählen und dich darüber informieren, welcher Referenztarif gewählt wurde.

Der Sinn dieser Referenztarife ist folgender: Die Anzahl an Gigabyte, die du im EU-Ausland verbrauchen darfst, hängt von der Grundgebühr deines Tarifs ab. Durch die Nutzung eines Referenztarifs haben Mobilfunkanbieter die Möglichkeit, eine niedrigere Grundgebühr für die Berechnung heranzuziehen, wodurch sie dir weniger Gigabyte im Ausland zur Verfügung stellen müssen.

Die Nettogrundgebühr berechnen

Sobald der Referenztarif gefunden ist – oder du zu dem Schluss gekommen sein, dass es keinen Referenztarif gibt, wird festgestellt, ob der Tarif überhaupt eine Limitierung aufweisen darf. Es geht also um die Frage, ob du nicht vielleicht sogar 100% des Datenvolumens, das du in Österreich nutzen darfst, auch in der EU-Zone nutzen dürftest. Um das herauszufinden, müssen wir zunächst den Netto-Preis deines Tarifs berechnen. Das entspricht jenem Betrag, wenn die Umsatzsteuer von der Grundgebühr abgezogen wird. Zur Erinnerung: Brutto ist mit Steuer („brutal viel"), netto ist ohne Steuer ("net so viel"). Beträgt die Grundgebühr deines Tarifs also 10€ Brutto, ziehst du davon die österreichische Umsatzsteuer (20%) ab, indem du die Bruttokosten durch 1,2 dividierst: 10 / 1,2 = 8,34€ - diese 8,34€ entsprechen also deiner Nettogrundgebühr.

Darf es ein Datenlimit geben?

Anschließend kannst du berechnen, ob ein Datenlimit vorgegeben werden darf. Dafür dividierst du deine Nettogrundgebühr (8,34€) durch die Anzahl der Gigabyte, die in diesem Tarif inkludiert sind. Beträgt das Ergebnis dieser Division weniger als 7,7, darf der Anbieter dir dein Datenvolumen, das du in der EU nutzen darfst, limitieren. Diese 7,7€ entsprechen dem sogenannten „Vorleistungspreis" – das ist jener Preis, den dein österreichischer Anbieter pro Gigabyte zahlen muss, wenn du dein Smartphone im EU-Ausland verwendest.

Inkludiert also unser Tarif um 8,34€ netto nur 1 Gigabyte, ergibt sich durch die Rechnung 8,34 / 1 = 8,34€ ein Betrag, der größer ist als 7,7€. In diesem Fall steht dir also das gesamte Gigabyte an Datenvolumen in der EU-Zone zur Verfügung.

Wenn in deinem Tarif um netto 8,34€ allerdings 3 Gigabyte inkludiert sind, ergibt sich ein anderes Bild: 8,34 / 3 = 2,78€. Dieser Betrag liegt unter 7,7€ - deshalb darf der Mobilfunker festlegen, dass du nur einen Teil der 3 Gigabyte in der EU-Zone nutzen darfst.

Der Vorleistungspreis von 7,7€ pro Gigabyte gilt bis Ende 2018. Anschließend wird er jährlich reduziert und beträgt ab dem Jahr 2022 nur noch 2,5€. Das hat auch Auswirkungen darauf, wieviel Gigabyte du im Ausland nutzen darfst.
Wie berechne ich das Datenlimit?

Sofern diese Berechnung ergeben hat, dass dein Mobilfunkanbieter ein Datenlimit festlegen darf – du also nur einen Teil deines Datenvolumens, das dir in Österreich zusteht, auch in der EU-Zone verwenden darfst, können wir diesen Teil berechnen. Dafür dividierst du die Nettogrundgebühr durch den Vorleistungspreis und verdoppelst diese Zahl. Wenn wir bei unserem Beispiel von 10€ Bruttogrundgebühr bleiben, beträgt die Nettogrundgebühr 8,34€. Die Berechnung ist in diesem Fall wie folgt: (8,34 / 7,7) x 2 = 2,17 – du dürfest also mindestens 2,17 Gigabyte deines Datenvolumens auch im EU-Ausland nutzen.

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass in der Formel (Nettopreis / Vorleistungspreis) x 2 kein Wort von deinem Datenvolumen vorkommt, dass du in Österreich nutzen darfst. Das bedeutet, dass die Anzahl an Gigabyte, die du auch im EU-Ausland mindestens nutzen darfst, ausschließlich von deiner Grundgebühr abhängt. Tarife, die eine höhere Grundgebühr aufweisen, dürfen daher auch automatisch mehr Datenvolumen in der EU verbrauchen.

Die Formel für die Berechnung des Datenvolumens lautet: (Nettogrundgebühr deines Tarifs / 7,7) x 2 = Datenvolumen in Gigabyte, das im EU-Ausland verbraucht werden darf.

Mein Tarif enthält keine Freiminuten / SMS / Gigabyte!

Wenn du keine Freieinheiten zur Verfügung hast, zahlst du üblicherweise auch keine Grundgebühr, sondern wirst ausschließlich nach deinem Verbrauch abgerechnet. Wenn du dein Handy innerhalb der EU-Zone verwendest (sie besteht aus der EU sowie Norwegen, Liechtenstein und Island), zahlst du pro Minute und SMS gleichviel, als würdest du dein Handy in Österreich verwenden. Das Empfangen von Telefonaten und SMS ist, wie auch in Österreich, kostenlos!

Grundlegend gilt diese Regel auch für Datenvolumen – du zahlst also auch pro Megabyte nur den Preis, den du im Inland zahlen würdest. Diese Regel gilt allerdings auch nur bis zu einem festgelegten Limit. Solltest du mehr Datenvolumen verbrauchen, als dein Limit vorgibt, steigt der Preis pro Megabyte auf bis zu 24 Cent!

Wie berechne ich das Datenlimit?

Die Höhe dieses Limits hängt davon ab, wieviel Guthaben du zum Beginn des Roamings aufgeladen hast. Von diesem Betrag ziehst du die Umsatzsteuer ab, wodurch dein Guthaben in netto berechnet wird. Dividiere dafür dein Guthaben durch 1,2 (z.B. 20 / 1,2 = 16,67). Anschließend dividierst du dein Nettoguthaben durch den „Vorleistungspreis" – das ist jener Preis, den Mobilfunkanbieter sich untereinander verrechnen – aktuell entspricht dieser 7,7€. Dividiere also die 16,67€ durch 7,7€ und du erhältst dein Limit von 2,16 Gigabyte.

Tarife ohne Roaming

Bei einigen Tarifen sperren die Mobilfunkanbieter die Möglichkeit, den Tarif im Ausland zu nutzen. Bei dieser Roamingsperre wird entweder nur das Surfen, oder aber auch Telefonie und SMS verboten. Solltest du einen Tarif kaufen, der nicht roamingfähig ist, kannst du diesen ausschließlich in Österreich verwenden! Unser Handytarife Vergleich bietet deshalb die Möglichkeit, Tarife auszuschließen, die Roaming verbieten.

Kostengrenze bei 60€

Um dich vor unliebsamen Kosten zu schützen, ist es üblich, dass dein Mobilfunkanbieter deine SIM-Karte einschränkt, wenn du zu hohe Kosten durch Roaming erreichst. In diesem Fall kannst du im Ausland nicht mehr surfen, telefonieren oder SMSen. Diese Grenze liegt üblicherweise bei 60€, sie kann je nach Anbieter auch niedriger ausfallen oder sogar umgestellt werden. Meistens ist diese Grenze schon durch den Anbieter aktiviert – wenn du auf Nummer sichergehen willst, prüfe im online Kundenportal (oder der Telefon-Hotline) deines Anbieters, ob die Kostengrenze aktiv ist. Sobald du 80% der Kostengrenze erreicht hast, wird dich dein Mobilfunkanbieter via SMS darauf aufmerksam machen.

Was bedeutet „im Normalfall"?

Die EU möchte verhindern, dass alle Europäer ihre heimischen Mobilfunkanbieter verlassen und nur noch in jenem europäischen Land einen Mobilfunkvertrag abschließen, in dem die Tarife am günstigsten sind. Deshalb wurden Regeln eingeführt, die eine solche Abwanderung verhindern sollen; gleichzeitig aber das typische Roaming, wenn man nur für einige Wochen pro Jahr im Ausland ist, ohne Aufpreis ermöglichen sollen.

Das Prinzip der „stabilen Bindung"

Damit dein Anbieter dir Roaming ohne Aufpreis ermöglicht, musst du ihm beweisen, dass du eine „stabile Bindung" zum Land Österreich hast. Das kannst du etwa durch deine Meldebestätigung, Studien- oder Ausbildungsbestätigung, einer unbefristeten Arbeitsbestätigung etc. – hier hängt es allerdings von den einzelnen Mobilfunkanbietern ab, welche Nachweise sie benötigen. Für einen tatsächlich in Österreich wohnhaften Konsumenten sollte es aber kein Problem sein, eine „stabile Bindung" vorweisen zu können.

Missbräuchliche Nutzung / untypisches Roamingverhalten

Mobilfunkanbieter dürfen zusätzliche Gebühren verrechnen, wenn sie davon ausgehen, dass ein Kunde ein ungewöhnliches Roamingverhalten aufweist – darunter fallen insbesondere drei Fälle.

  • Der erste Fall tritt ein, wenn du dich hauptsächlich (oder nur) im EU-Ausland befindest.
  • Der zweite Fall tritt ein, wenn deine SIM-Karte hauptsächlich für Roaming verwendet wird – das bedeutet, dass dein Tarif auch häufiger in Österreich verwendet werden muss.
  • Der dritte Fall tritt ein, wenn ein Kunde mehrere Tarife abschließt, um die zwei vorherigen Regeln zu umgehen. Es ist also nicht möglich, einfach einen neuen Tarif abzuschließen, sobald einem der Mobilfunker aufgrund eines ungewöhnlichen Roamingverhaltens höhere Gebühren verrechnet.

Sollte dein Mobilfunkanbieter den Verdacht haben, dass du gegen eine dieser Regeln verstößt, wird er deine Nutzung innerhalb eines gewissen Zeitraums (mindestens 4 Monate) protokollieren. Kann er dadurch beweisen, dass eine der drei Fälle tatsächlich eintritt bzw. du Roaming missbräuchlich verwendest, muss er dich darüber informieren, dass er dir bald kein Roaming ohne Aufpreis mehr anbieten wird. Daraufhin hast du zwei Wochen lang Zeit, Berufung einzulegen und zu beweisen, dass du eigentlich ein typisches Roamingverhalten aufweist.

Solltest du das nicht können, werden dir ab diesem Zeitpunkt zusätzliche Aufschläge für Roaming verrechnet. Diese Aufschläge werden zu den Kosten hinzugefügt, die dir entstehen würden, wenn du dein Handy in Österreich nutzt.

Diese Aufschläge betragen maximal:

  • 3,84 Cent pro Minute, wenn du jemanden anrufst
  • 1,296 Cent pro Minute, wenn du angerufen wirst
  • 1,2 Cent pro SMS, die du sendest (empfang ist kostenlos)
  • 9,24 Euro pro Gigabyte (entspricht 0,9 Cent pro Megabyte)

Dabei gibt es allerdings auch Kostenlimits – die Summe von „österreichischem Preis" + Aufschlag darf nicht größer sein als:

  • 22,8 Cent pro Minute, wenn du jemanden anrufst
  • 1,296 Cent, wenn du angerufen wirst
  • 7,2 Cent pro SMS
  • 24 Cent pro Megabyte
Sobald du allerdings wieder ein typisches Roamingverhalten aufweist, dürfen keine Aufschläge mehr verrechnet werden!

Weitere Hintergrundinformationen zu Roaming

Generell muss zwischen nationalem und internationalen Roaming unterschieden werden. Nationales Roaming bezieht sich auf Vereinbarungen zweier Anbieter, die auf demselben regionalen Gebiet operieren, sich ihre Netze allerdings gegenseitig zur Verfügung stellen. Durch eine solche strategische Kooperation können Schwächen im eigenen Netz ausgeglichen werden, indem auf das Partnernetz zurückgegriffen werden kann. Für den Kunden entstehen keine zusätzlichen Kosten, er profitiert lediglich von dem besseren Netz. Nationales Roaming spielt insbesondere im Alpenbereich eine große Rolle, wo eine hohe Netzabdeckung äußerst kostspielig ist.

Internationales Roaming

Internationales Roaming bezieht sich auf die Nutzung eines Mobilfunknetzes in einem Land, in dem der eigene Anbieter nicht agiert. Um auch hier sein Handy nutzen zu können, muss es sich in ein fremdes Netz einwählen. Damit das Handy sich einwählen darf, muss zwischen dem eigenen Mobilfunkanbieter und dem entsprechenden Anbieter im Ausland eine Roamingvereinbarung bestehen, welche allerdings zu einem großen Teil standardisiert ist. Es ist also kein Zufall, in welches Netz sich das Handy im Ausland registriert, da es von den Kooperationen des Heimanbieters abhängt. In Staaten mit einer großen Anzahl an Anbietern, welche ausschließlich in bestimmten Gebieten des Landes (regional) agieren, sind daher mehrere Roamingverträge notwendig, wodurch ein erhöhter Aufwand entsteht, wie etwa in Indien. Sofern der eigene Mobilfunkanbieter Roamingverträge mit mehreren Anbietern im Zielland abgeschlossen hat, wählt sich das Handy zumeist automatisch in das stärkste verfügbare Netz ein. Bei international verfügbaren Anbietern (T-Mobile, Drei etc.) wird meist das eigene Funknetz ausgewählt - je nach Anbieter gelten dann besonders günstige Konditionen.

Aktiv & Passives Roaming

Neben den geographischen Unterschieden des Roamings muss auch zwischen den Verbindungstypen unterschieden werden. Passives Roaming tritt dann auf, wenn man sich im Ausland befindet und einen eingehenden Anruf erhält. Von aktivem Roaming ist die Rede, wenn man selbst aus dem Ausland einen Anruf tätigt oder eine SMS abschickt. Befindet man sich im Ausland und möchte mobiles Internet/ Datenservices nutzen, tritt Datenroaming in Kraft. Es lässt sich pauschaliert sagen, dass passives Roaming deutlich günstiger ist als aktives Roaming. Die Kosten für Datenroaming sind in der Regel sehr hoch, weshalb es dieses zu vermeiden gilt.

So funktioniert Roaming

Möchten zwei Mobilfunkanbieter einen Roamingvertrag abschließen, sind mehrere Schritte nötig. Zuerst wird der Vertrag aufgesetzt. Dieser besteht aus dem Common Annex (länderspezifisch) und dem Individual Annex (Individuelle Vereinbarungen beider Anbieter. Zudem werden einige technische Details, etwa die Art und Technologie der Abrechnung, festgelegt. Anschließend wird mittels verschiedenen Tests festgestellt, ob das Roaming korrekt funktioniert – dafür wird unter anderem die Telefonie, SMS, aber auch das Absetzen von Notrufen getestet. Um die Abrechnung von Roamingverträgen kümmert sich meist ein sogenanntes Clearing Haus. Dafür schicken beide Vertragspartner täglich ihre standardisierten Roamingprotokolle an das Clearing Haus, welches diese auswertet und die entsprechenden Forderungen berechnet.

Da dieser Vorgang einige Zeit dauert, werden Roaminggebühren häufig erst nach einiger Zeit auf der Rechnung berücksichtigt und sind nicht in Echtzeit verfügbar.

Nachdem die Verträge unterzeichnet und die Tests durchgeführt sind, können Kunden beider Vertragspartner im jeweils anderen Netz telefonieren. Dafür versucht das Handy, sich mit dem entsprechenden Netz zu verbinden, wofür es zuerst autorisiert werden muss. Dafür prüft der Roaminganbieter, ob die SIM-Karte berechtigt ist, sich in das eigene Netz einzuwählen. Hier wird unter anderem geprüft, ob ein gültiger Roamingvertrag besteht und ob die SIM-Karte aktiv / nicht gesperrt ist. Verlaufen alle Prüfungen positiv, darf sich das Handy in das Netz einwählen.

Tipps rund ums Roaming

Um generell im Ausland telefonieren zu können, musst du eventuelle technische Besonderheiten beachten. Je nach Zielregion können andere Funkstandards gelten, weshalb zum Beispiel für den Besuch in Amerika ein Quadband fähiges Handy benötigt wird. Informationen, welche Technologien benötigt werden, erhältst du im Internet oder bei deinem Provider. Ebenfalls wichtig ist es, Telefonnummern im internationalen Format, also Inklusive Landesvorwahl, abzuspeichern. Es empfiehlt sich, sämtliche Telefonnummern stets direkt in diesem Format einzuspeichern, um spätere Probleme zu vermeiden.

  • Artikel teilen: