Roaming - Das musst du wissen!

Sobald man den Funkbereich des eigenen Mobilfunkanbieters verlässt, muss sich das Handy in ein anderes Netz einwählen, um nach wie vor erreichbar zu sein. Diese Vorgehensweise sowie die dazugehörige Technik wird im Allgemeinen unter dem Begriff Roaming zusammengefasst.

Kosten innerhalb der EU

Seit dem 30. April 2016 gilt die neue Regelung für Roaming innerhalb der EU – sie stellt gewissermaßen einen Zwischenschritt dar, auf den schon 2017 das endgültige Ziel folgen soll: Das vollkommene Aus von Roamingpreisen. Die Roamingtarife wurden im Laufe der letzten Jahre immer weiter gesenkt - die EU will damit den digitalen Binnenmarkt stärken und verhindern, dass Europäer im Ausland auf ihr Mobiltelefon verzichten müssen.

Mit der neuen EU-Verordnung ist es nun erstmals so, dass Mobilfunkanbieter Aufschläge verrechnen dürfen – das heißt: Zusätzlich zu den Kosten, die du in Österreich für die Nutzung hättest, kommt ein regulierter Betrag dazu. Wenn du in Österreich einen günstigen Tarif hast, bei du pro Minute/SMS/Megabyte nur wenige Cent zahlst, sparst du ab sofort auch beim Roaming!

Die maximale Höhe dieser Aufschläge ist allerdings durch die EU-Verordnung begrenzt.

Dienst Mit Inklusiveinheiten. Lediglich der Aufschlag wird verrechnet (maximal) Ohne Inklusiveinheiten. Inlandspreis + Aufschlag (links), aber maximal
Telefonie ausgehend 0,06€ 0,228€
Telefonie eingehend 0,01368€ 0,01368€
SMS ausgehend 0,024€ 0,072€
SMS eingehend 0€ 0€
MB Datenvolumen 0,06€ 0,24€

Wenn dein Handytarif Inklusiveinheiten hat, du also demnach nichts für Minuten/SMS/MB zahlen müsstest, wird dir nur der Aufschlag verrechnet – im Gegenzug wird dir Roaming ganz normal von deinen Inklusiveinheiten abgezogen. Wenn du keine Inklusiveinheiten mehr hast, zahlst du wieder den Inlandspreis plus den eben genannten Aufschlägen.

Roaming außerhalb der EU wird durch diese Verordnung nicht reguliert und ist sehr viel teurer!

Was ist Roaming?

Roaming (aus dem Englischen Verb „roam“ – zu Deutsch herumstreunen, wandern, streunen) bezeichnet die Fähigkeit, sich in ein anderes Mobilfunknetz als das Heimnetz einzuwählen. Als Heimnetz wird dabei das Mobilfunknetz jenes Anbieters bezeichnet, bei dem du deinen Vertrag abgeschlossen hast. Bei virtuellen Betreibern – also jenen, die keine eigene Infrastruktur besitzen, sondern sich ein bestehendes Netz mieten, zählt die Infrastruktur des gemieteten Netzes.

Nationales Roaming

Generell muss zwischen nationalem und internationalen Roaming unterschieden werden. Nationales Roaming bezieht sich auf Vereinbarungen zweier Anbieter, die auf demselben regionalen Gebiet operieren, sich ihre Netze allerdings gegenseitig zur Verfügung stellen. Durch eine solche strategische Kooperation können Schwächen im eigenen Netz ausgeglichen werden, indem auf das Partnernetz zurückgegriffen werden kann. Für den Kunden entstehen keine zusätzlichen Kosten, er profitiert lediglich von dem besseren Netz. Nationales Roaming spielt insbesondere im Alpenbereich eine große Rolle, wo eine hohe Netzabdeckung äußerst kostspielig ist.

Internationales Roaming

Internationales Roaming bezieht sich auf die Nutzung eines Mobilfunknetzes in einem Land, in dem der eigene Anbieter nicht agiert. Um auch hier sein Handy nutzen zu können, muss es sich in ein fremdes Netz einwählen. Damit das Handy sich einwählen darf, muss zwischen dem eigenen Mobilfunkanbieter und dem entsprechenden Anbieter im Ausland eine Roamingvereinbarung bestehen, welche allerdings zu einem großen Teil standardisiert ist. Es ist also kein Zufall, in welches Netz sich das Handy im Ausland registriert, da es von den Kooperationen des Heimanbieters abhängt. In Staaten mit einer großen Anzahl an Anbietern, welche ausschließlich in bestimmten Gebieten des Landes (regional) agieren, sind daher mehrere Roamingverträge notwendig, wodurch ein erhöhter Aufwand entsteht, wie etwa in Indien. Sofern der eigene Mobilfunkanbieter Roamingverträge mit mehreren Anbietern im Zielland abgeschlossen hat, wählt sich das Handy zumeist automatisch in das stärkste verfügbare Netz ein. Bei international verfügbaren Anbietern (T-Mobile, Drei etc.) wird meist das eigene Funknetz ausgewählt - je nach Anbieter gelten dann besonders günstige Konditionen.

Aktiv & Passives Roaming

Neben den geographischen Unterschieden des Roamings muss auch zwischen den Verbindungstypen unterschieden werden. Passives Roaming tritt dann auf, wenn man sich im Ausland befindet und einen eingehenden Anruf erhält. Von aktivem Roaming ist die Rede, wenn man selbst aus dem Ausland einen Anruf tätigt oder eine SMS abschickt. Befindet man sich im Ausland und möchte mobiles Internet  / Datenservices nutzen, tritt Datenroaming in Kraft. Es lässt sich pauschaliert sagen, dass passives Roaming deutlich günstiger ist als aktives Roaming. Die Kosten für Datenroaming sind in der Regel sehr hoch, weshalb es dieses zu vermeiden gilt.

So funktioniert Roaming

Möchten zwei Mobilfunkanbieter einen Roamingvertrag abschließen, sind mehrere Schritte nötig. Zuerst wird der Vertrag aufgesetzt. Dieser besteht aus dem Common Annex (länderspezifisch) und dem Individual Annex (Individuelle Vereinbarungen beider Anbieter. Zudem werden einige technische Details, etwa die Art und Technologie der Abrechnung, festgelegt. Anschließend wird mittels verschiedenen Tests festgestellt, ob das Roaming korrekt funktioniert – dafür wird unter anderem die Telefonie, SMS, aber auch das Absetzen von Notrufen getestet. Um die Abrechnung von Roamingverträgen kümmert sich meist ein sogenanntes Clearing Haus. Dafür schicken beide Vertragspartner täglich ihre standardisierten Roamingprotokolle an das Clearing Haus, welches diese auswertet und die entsprechenden Forderungen berechnet. Da dieser Vorgang einige Zeit dauert, werden Roaminggebühren häufig erst nach einiger Zeit auf der Rechnung berücksichtigt und sind nicht in Echtzeit verfügbar.

Nachdem die Verträge unterzeichnet und die Tests durchgeführt sind, können Kunden beider Vertragspartner im jeweils anderen Netz telefonieren. Dafür versucht das Handy, sich mit dem entsprechenden Netz zu verbinden, wofür es zuerst autorisiert werden muss. Dafür prüft der Roaminganbieter, ob die SIM-Karte berechtigt ist, sich in das eigene Netz einzuwählen. Hier wird unter anderem geprüft, ob ein gültiger Roamingvertrag besteht und ob die SIM-Karte aktiv / nicht gesperrt ist. Verlaufen alle Prüfungen positiv, darf sich das Handy in das Netz einwählen.

Tipps rund ums Roaming

Die grundlegende Regel: Wenn du häufig im Ausland telefonieren musst, solltest du dich über Tarife mit Auslandsoptionen informieren.  Diese beinhalten ein gewisses Volumen an Freiminuten, SMS und Megabyte, welches du im Ausland verbrauchen kannst. In unserem Handytarife Vergleich kannst du deinen Bedarf an Roaming Einheiten angeben, wodurch entsprechende Kosten berücksichtigt werden und gegebenenfalls Zusatzpakete vorgeschlagen werden. Beachten bitte die typischen Kostenfallen und Probleme: Wenn du an der Landesgrenze wohnst, schalte dein Handy in die manuelle Netzwahl um – ansonsten kann es vorkommen, dass es sich irrtümlich in ein Funknetz des Nachbarlandes einwählt, womit du Roaminggebühren zahlen musst.

Ein weiterer Punkt ist die bedingte Rufumleitung. Diese tritt dann ein, wenn du gerade telefonierst, nicht abhebst oder auf eine andere Weise den Anruf auf die Mobilbox weiterleitest. In diesem Fall wird der Anruf aus Österreich zu dir geleitet, anschließend allerdings wieder retour zur Sprachbox in Österreich. Die bedingte Rufumleitung kannst du entweder komplett ausschalten, oder eine absolute Rufumleitung aktivieren – in diesem Fall wird jedes eingehende Telefonat direkt (z.B. auf die Sprachbox) und nicht zuerst ins Ausland weitergeleitet, weshalb keine zusätzlichen Kosten entstehen – dies nimmt dir allerdings die Möglichkeit, Anrufe im Ausland zu erhalten.

Um generell im Ausland telefonieren zu können, musst du eventuelle technische Besonderheiten beachten. Je nach Zielregion können andere Funkstandards gelten, weshalb zum Beispiel für den Besuch in Amerika ein Quadband fähiges Handy benötigt wird. Informationen, welche Technologien benötigt werden, erhälst du im Internet oder bei deinem Provider.

Ebenfalls wichtig ist es, Telefonnummern im internationalen Format, also Inklusive Landesvorwahl, abzuspeichern. Es empfiehlt sich, sämtliche Telefonnummern stets direkt in diesem Format einzuspeichern, um spätere Probleme zu vermeiden.

Hilfreiche Links

Roaming (Wikipedia.org)

Liste verfügbarer Anbieter nach Land (Europa.eu)

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