Die Rechnung Deines Stromanbieters ist zu kompliziert? Manchmal mutet sie wie ein Buch mit sieben Siegeln an. Doch keine Sorge, wir klären alle Preise, erläutern die verschiedenen Begriffe und zeigen Dir, was Du gegen eine hohe Rechnung tun kannst.
Die Rechnung flattert monatlich herein, oder doch am Ende des Jahres? Halt, Stop! Hier gibt es die erste Verwechslungsgefahr. Bei Strom gibt es nämliche unterschiedliche Zahlungsarten:
- Monatsrechnung nach tatsächlichem Verbrauch
- Jahresrechnung mit Teilbeträgen
Bei der monatlichen Abrechnung erfolgt die genaue Abrechnung jeden Monat. Bei der Jahresrechnung mit Teilbeträgen zahlst Du üblicherweise in bestimmten Abständen (meist monatlich) einen fixen Teilbetrag. Am Jahresende werden diese Teilbeträge dann mit dem tatsächlich verbrauchten Strom gegenverrechnet. Der Unterschied ist nicht so einfach zu sehen, weil ja trotzdem monatlich ein Betrag zu leisten ist. Bei der Monatsrechnung variiert der Betrag zumeist jedoch stärker, weil im Sommer meist weniger Strom verbraucht wird, als im Winter. Bei den Teilbeträgen ist die finanzielle Belastung über das Jahr gleich verteilt.
Für die genaue monatliche Abrechnung muss Opt-In aktiviert sein. Damit wird Dein Zählerstand mittels Smart Meter einmal in der Viertelstunde ausgelesen. Nur so kann der monatliche Strombedarf für die Rechnung ermittelt werden. Opt-In kannst Du bei Deinem Netzbetreiber beantragen. Mehr Infos dazu hier Smart Meter – Der intelligente Stromzähler.
Doch wofür stehen die einzelnen Posten Deiner Rechnung? Wir dröseln sie Schritt für Schritt auf. Doch noch ein Punkt ist vorab wichtig, bevor wir ins Detail gehen.
Gesamtrechnung oder getrennte Rechnung
Deine Stromkosten können entweder als Gesamtrechnung durch Deinen Energielieferanten erfolgen oder als getrennte Rechnung von Energielieferant und Netzbetreiber an Dich gehen. Die Gesamtrechnung wird von vielen Kund:innen als komfortabler empfunden, andere finden die getrennte Abrechnung übersichtlicher. Der größte Unterschied ist aber tatsächlich, ob Du bevorzugst, dass beide Rechnungen wie aus einer Hand erfolgen oder ob Du zwei getrennte Rechnungen möchtest.
Je nachdem von wem Du Deine Stromrechnung erhältst, muss man unterscheiden:
- Gesamtrechnung (Energiekosten und Netzkosten sind auf einer gemeinsamen Rechnung)
- getrennte Rechnung (Energieanbieter verrechnet Energiekosten, Netzbetreiber verrechnet Netzkosten)
Warum ist das so wichtig? Weil Energielieferant und Netzbetreiber unterschiedliche Leistungen verrechnen. Selbst wenn Du eine Gesamtrechnung erhältst, läuft im Hintergrund die Verrechnung durch zwei verschiedene Organisationen. Die Energielieferanten sind vor allem für die Energiekosten verantwortlich. Die Netzbetreiber sind hingegen für die Netzkosten zuständig. Diese Leistungen - die Verrechnung Deines Stromtarifs und die tatsächliche Belieferung mit Strom - werden getrennt verrechnet. Mehr Infos findest Du hier in unserem Ratgeber Netzbetreiber oder Energielieferant - was sind die Unterschiede?.
Stromrechnung einfach
Du hast geklärt, wer Dein Energieversorger und Dein Netzbetreiber ist? Sehr gut, dann ist die erste Hürde geschafft. Nun schauen wir uns die Begriffe auf der Rechnung an. Wir haben eine Musterrechnung erstellt, damit Du Dich einfacher zurecht findest. Außerdem gehen wir alles Schritt für Schritt durch.
Zuallererst hast Du auf Seite 1 im Briefkopf meist das Logo Deines Energieanbieters und auch alle Kontaktmöglichkeiten. Danach steht üblicherweise Dein Name und Deine anderen Daten, wie etwa die Kundennummer und die Adresse.
Danach folgt wofür die Rechnung erstellt wurde, hier ist es eine Jahresabrechnung Strom, die eine Gesamtrechnung aus Netz- und Energiekosten darstellt. Gleich voran wird auch genannt, wo genau der Strom verbraucht wurde. Dies wird meist als Anlagenadresse oder auch seltener als Verbrauchspunkt bezeichnet. Wir sehen auch die Zählpunktbezeichnung - manchmal steht diese aber auch an anderer Stelle und ist als ZPN abgekürzt.
Des Weiteren haben wir den Abrechnungszeitraum, der hier bei einem Jahr liegt. Wäre es eine Monatsabrechnung, läge der Zeitraum stattdessen innerhalb eines Monats. Dann folgt Dein Verbrauch in kWh. Achtung, ist der Verbrauch deutlich höher, als Du eingeschätzt hast, dann ist natürlich auch die Rechnung deutlich höher.
Wir nennen in der Rechnung die Abbuchung durch den Energieversorger - es ist aber meist auch möglich per Überweisung zu zahlen. Dann ändert sich der Satz entsprechend.
Schließlich geht es “ans Eingemachte” und die Energiekosten werden aufgelistet:
Energiepreis
Der Energiepreis wird an den Anbieter gezahlt und setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: Der Grundgebühr und dem Arbeitspreis. Die Grundgebühr (oder Grundpauschale) ist ein jährlich fester Betrag, der unabhängig von Deinem Verbrauch für die allgemeine Bereitstellung von Strom verrechnet wird. Der Arbeitspreis (oder Verbraucherpreis) hingegen wird pro Kilowattstunde (kWh) abgerechnet. Dieser Wert ist besonders wichtig, wenn es um Deine Kosten geht, da er Deinen realen Stromverbrauch auflistet. Je besser Dein Energiepreis ist, desto mehr kannst Du sparen. Da Du Dir Deinen Anbieter für Strom aussuchen kannst, liegt hier das größte Sparpotential.
Rabatt
Neukundenrabatte sind oft ein finanziell starker Bonus. Wechselst Du jedes Jahr, kannst Du hier stark profitieren. Keine Sorge, das funktioniert auch wenn Du bereits einmal bei einem Anbieter Kund:in warst.
Netzkosten
Der Betrag für Netzkosten bzw. Netzdienstleistungen geht an den Netzbetreiber. Diese Kosten sind zum Ausbau und der Instandhaltung des Stromnetzes. Eines der bekanntesten ist das Netznutzungsentgelt, das sich ebenfalls in Grundpreis und Arbeitspreis teilt. Auch das Entgelt für Messleistungen fällt in diese Rubrik. Da Du Dir zwar Deinen Energieanbieter aussuchen kannst, aber Dein Netzanbieter regional geregelt ist, stehen diese Abgaben ziemlich fest. Sie können sich nur ändern, wenn Du umziehst.
Steuern und Abgaben
Darunter fallen unterschiedliche Posten, wie zum Beispiel die Umsatzsteuer oder auch die Gebrauchsabgabe für Energie und Netz. Bei Strom gibt es auch das Netzverlustentgelt, die Elektrizitätsabgabe, die Erneuerbaren-Förderpauschale. Je nach Posten gehen diese Beiträge an Bund, Land, Stadt oder Gemeinde. Manche muten im ersten Moment etwas skurril an, wie bei der Gebrauchsabgabe, die für Nutzung von öffentlichem Gemeindegrund verrechnet wird, manche sind sehr technisch wie das Netzverlustentgelt, das den Stromverlust durch Leitungswiderstände ausgleicht - aber sie haben (meist) durchaus einen Sinn.
Gesamtsumme
Rechnungsbetrag, Gesamtsumme und zu zahlende Summe: Der Rechnungsbetrag, ist das, was Dich Strom für Deinen Abrechnungszeitraum (hier für ein Jahr) gekostet hat. Die Gesamtsumme bzw. der zu zahlende Betrag ist, wieviel Du noch nachzahlen musst. Statt einer Nachzahlung kann hier auch ein Guthaben stehen. Dieses wird dann üblicherweise mit Deinem nächsten Teilbetrag gegenverrechnet oder aber direkt an Dich rückerstattet.
Beim Wechsel profitieren
Von allen Posten auf der Rechnung unterliegt nur der Energiepreis dem Wettbewerb und unterscheidet sich je nach Anbieter. Wenn dieser zu hoch ist, solltest Du dringend Deinen Anbieter wechseln. Der Wechsel zu einem günstigeren Energielieferanten ist über tarife.at mit nur wenigen Klicks möglich - und keine Sorge, Dir wird dazwischen der Strom nicht einfach abgestellt. Das liegt auch daran, dass Du weiterhin beim gleichen Netzanbieter bleibst und weiterhin mit dem gleichen Strom beliefert wirst. Nur die Verrechnung ändert sich - und das macht finanziell einen großen Unterschied.
Genaue Auflistung
Doch das ist nur die erste Seite - was folgt danach? Üblicherweise hast Du auf den folgenden Seiten dann die genauere Aufschlüsselung zu bestimmten Zeiträumen, sowie die genaue Auflistung der Netzdienstleistungen, sowie aller Steuern und Abgaben. Der Energiemix ist mit einem Tortendiagramm abgebildet und zeigt Dir aus welchen Quellen Dein Strom kommt (oder manchmal eher kommen sollte - alle Infos, wie Du dieses Tortendiagramm richtig liest, findest Du hier in unserem Ratgeber Sauberer Strom: Stromkennzeichnung, Herkunftsnachweis und gemeinsamer Handel. Des Weiteren gibt es Energiespartipps, Infos und Rechtliches.
Monatliche Abrechnung für Strom
Die jährliche Abrechnung ist sehr gebräuchlich, aber es gibt auch die monatliche Abrechnung für Strom. Hier wird der Strom monatlich direkt verrechnet. Es gibt hier keine Teilzahlungsbeträge, sondern es wird jeden Monat eine genaue Rechnung erstellt.
Hast Du eine Gesamtrechnung, dann kannst Du dies direkt bei Deinem Energieversorger beantragen. Bei getrennter Rechnung musst Du dafür Deinen Netzbetreiber kontaktieren.
Teilbeträge und Jahresendabrechnung: Guthaben oder Nachzahlung?
Bei der jährlichen Stromrechnung stellt Dir der Stromanbieter die verbrauchte Energie für ein Jahr in Rechnung. Statt einer monatlichen Abrechnung gibt es hier Teilbeträge, die monatlich oder im Quartal abgebucht werden. Dabei stellen diese Teilbeträge eine Schätzung Deines Verbrauchs dar. Mit der Jahresendabrechnung werden alle im Jahr geleisteten Teilbeträge mit Deinem tatsächlichen Verbrauch verrechnet.
Daraus entsteht dann entweder ein Guthaben oder eine Nachzahlung:
- Hast Du ein Guthaben? Das bedeutet, dass Du weniger Strom gebraucht hast, als ursprünglich geschätzt wurde. Daher hast Du mehr eingezahlt, als Du tatsächlich verbraucht hast. Folglich bekommst Du von Deinem Stromanbieter den auf der Rechnung angegebenen Betrag zurück.
- Hast Du eine Nachzahlung? Das bedeutet, dass Du mehr Strom gebraucht hast, als Du in den Teilbeträgen bezahlt hast. Für den Mehrverbrauch musst Du daher aufzahlen.
Teilbeträge anpassen
Erhöht der Anbieter die Teilbeträge, kann das ein zweischneidiges Schwert sein. Einerseits musst Du Dich weniger vor einer Nachzahlung fürchten, andererseits überweist Du dem Anbieter wohlmöglich das ganze Jahr immer etwas zu viel Geld. Bist Du jemand, für den eine hohe Nachzahlung ein echtes Problem darstellen könnte, ist ein höherer Teilbetrag sinnvoll. Ist das nicht der Fall, arbeitet der Anbieter unter dem Jahr zinsenfrei mit Deinem Geld und Du solltest abwägen, ob ein kleinerer Teilbetrag nicht besser wäre.
Stromrechnung viel zu hoch: Was tun?
Wenn Deine Stromrechnung unerwartet viel zu hoch ist, solltest Du erst einmal Ruhe bewahren und Dir folgende Fragen stellen:
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Defekter Zähler? Geh zu Deinem Sicherungskasten und betätige den FI. Achte dann darauf, ob der Stromzähler weiterläuft. Wenn er trotz betätigtem FI weiterläuft, könnte er defekt sein. Kontaktiere in dem Fall den Netzbetreiber, der ihn Dir umgehend austauschen wird.
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Stimmt der Stromzähler mit dem Zählerstand überein? Eventuell kam es zu einem Ablesefehler. Natürlich muss der Zählerstand geringfügig höher sein, da Du seit der letzten Ablesung Strom verbraucht hast. Ist er aber sehr stark unterschiedlich, oder auf dem Zähler gar geringer als auf der Rechnung, solltest Du Deinen Strombetreiber kontaktieren. Auch hier könnte ein Fehler vorliegen.
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Neue Hobbys? Gewohnheiten geändert? Häufiger zu Hause? Hast Du Dir seit der letzten Jahresabrechnung neue elektrische Geräte gekauft? Vor allem Klimaanlagen, Whirlpools, Ventilatoren oder zusätzliche Heizstrahler können die Übeltäter sein. Auch wenn Du vorhandene Geräte plötzlich stärker nutzt, drückt dies den Verbrauch und damit auch die Rechnung nach oben. Wenn Du plötzlich häufiger zu Hause bist, weil Du vielleicht mehr Home Office machst oder in Pension gegangen bist, könnte das auch auf Deinen Strombedarf Auswirkungen haben.
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Uralte Geräte? Ist Dein Stromverbrauch vielleicht so hoch, weil Du lauter alte Geräte betreibst, die eventuell schon aus dem letzten Loch pfeifen? Gerade veraltete und vereiste Kühlschränke, oder auch Elektroboiler, die ständig nachheizen müssen, sind klassische Stromfresser.
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Umzug? Bist Du umgezogen und Dein neues Zuhause hat vielleicht schlechtere Dämmwerte und undichte Fenster? Gerade schlechte Wärmedämmung kann zu hohen Stromkosten führen.
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Stimmen Name, Adresse, Kundennummer und Zählpunktnummer mit Deinen Daten überein? Wenn nicht, hältst Du womöglich die Rechnung eines anderen Haushaltes in Händen. Auch hier wendest Du Dich am besten an deinen Energielieferanten.
Sind diese Fragen alle beantwortet, und Du findest immer noch keinen Grund, solltest Du Deine Rechnung mit der des Vorjahres vergleichen. Gerade wenn alle Geräte und die Wohnung gleich geblieben sind, sollte die Rechnung ähnlich ausfallen. Gibt es sehr große Unterschiede, lohnt sich auch hier die Kontaktaufnahme mit dem Anbieter. Achte aber darauf, welche Art von Tarif Du hast. Ist der Strompreis deutlich teurer geworden oder hast Du letztes Jahr von einem Guthaben wegen eines Anbieterwechsels profitiert, danach aber auf einen Wechsel verzichtet? Dann hast Du bares Geld verschenkt und musst Du die Rechnung leider zahlen.
Wenn Du Deinen Anbieter kontaktierst, reiche am besten schriftlichen Widerspruch ein, oder führe ein Telefonprotokoll (Datum, Uhrzeit, Gesprächspartner, Thema), damit alles zu einem späteren Zeitpunkt nachweisbar und nachvollziehbar ist. Übrigens gilt das natürlich alles auch, wenn die Stromrechnung viel zu nieder ist. Auch dann liegt ganz offensichtlich ein Fehler vor.
Ich kann mir die Stromrechnung nicht leisten - Was tun?
Du kannst Dir Deine Stromrechnung nicht mehr leisten? Egal ob Du viel mehr Strom verbraucht hast, oder der Preis in die Höhe geschossen ist - eine hohe Rechnung ist natürlich erst einmal ein Schock. Einfach ignorieren, oder auf die Mahnung warten ist der falsche Weg. Wir empfehlen den Energielieferanten oder Netzbetreiber gleich direkt zu kontaktieren und offen zuzugeben, dass die Rechnung gerade nicht bezahlt werden kann. Es findet sich üblicherweise eine Lösung, die für alle Beteiligten machbar ist. Alle Infos findest Du hier in unserem Ratgeber Sozialtarif und Grundversorgung für Strom und Gas.
( Zuletzt aktualisiert: 29.04.2026. Ursprünglich veröffentlicht: 23.01.2023 )