Geschichte der Elektrizität in Österreich

Geschichte der Elektrizität in Österreich

Österreich begann sich in der Gründerzeit, also im ausgehenden 19. Jahrhundert, zu elektrifizieren. Bis zur vollständigen Elektrifizierung verging dann aber fast ein Jahrhundert. Wir geben Euch einen raschen Überblick über die Geschichte des Stroms von seinen Anfängen bis heute.

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Die Anfänge

Die Erzeugung und Verteilung von Strom begann in Österreich nicht zentral organisiert, wie im Fall der des Telefonnetzes, sondern ganz unterschiedlich und dezentralisiert. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden eine Vielzahl an kleinen und größeren Elektrizitätswerken, die kommunal oder privat geführt waren. Sie verlegten jeweils ihr eigenes Netz.

Aus diesen Ursprüngen heraus gibt es darum auch die vielen Landesversorger. Die Städtische Elektrizitätswerke Salzburg nahmen 1887 als ältestes Stromlieferungsunternehmen Österreichs den Betrieb auf. Die Salzburger AG für Energiewirtschaft (SAFE) wurde allerdings erst 1920 als Landes-Elektrizitätsversorgungsunternehmen gegründet. Die beiden Unternehmen verschmolzen sehr viel später miteinander.

Wien erhielt 1899 die Konzession für die Elektrifizierung des Pferdestraßenbahnnetzes und so wurde 1900 mit dem Bau des Elektrizitätswerks Simmering begonnen. 1905 begann die Belieferung der äußeren Stadtbezirke. Zwischen 1907 und 1914 wurden bestehende private Werke in die Wiener Elektrizitäts-Werke übernommen und die Gemeinde Wien erhielt schließlich das Monopol für Stromerzeugung. Außerdem wurden bis dahin sechs Kleinwasserkraftwerke in Gefällstufen der ersten und zweiten Hochquellenwasserleitung errichtet. Die Elektrifizierung ging rasend schnell, bereits 1926 wurde nicht nur Wien, sondern auch 66 umliegende Gemeinden versorgt.

In der Steiermark wurde 1921 die Steiermärkische Wasserkraft- und Elektrizitäts AG (STEWEAG) gegründet, doch schon zuvor gab es ein Werk für Drehstrom und zwei E-Werke. Mit Arnstein wird 1925 das erste Kraftwerk durch die STEWEAG erbaut, welches die Elektrifizierung der Bundesbahnen ermöglichte. Es folgten die Mur-Kraftwerke bei Pernegg und Laufnitzdorf.

In Niederösterreich wurde 1907 das Landes-Elektrizitätswerk des Erzherzogtums Österreich begründet. Nach dem Zerfall der Habsburger-Monarchie und der Teilung des Erzherzogtums in die Bundesländer Niederösterreich und Wien wurde 1922 diese zur Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft (NEWAG) neugeordnet.

Auch in Kärnten ging die Elektrifizierung schon relativ früh los, 1894 eröffnete die Bleiberger Bergwerks Union ihr Wasserkraftwerk im Roten Graben bei Nötsch. Doch ohne Netzverbund der einzelnen Laufkraftwerke gab es in den frühen 1920ern häufige Stromausfälle und eine kleine Energiekrise. Um eine stabile Stromversorgung gewährleisten zu können, wurde 1923 die Kärntner Wasserkraftwerke A.-G. (KÄWAG) gegründet.

In Tirol gründete 1924 die Stadt Innsbruck zusammen mit einem Bankenkonsortium und dem Land Tirol die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG). Praktischerweise war 1919 der Achensee angekauft worden, weswegen der Bau des ersten Tiroler Kraftwerk dorthin fiel. Das Achenseekraftwerk wurde 1927 mit einer Leistung von 79 MW als das damals größte Speicherkraftwerk Österreichs in Betrieb genommen. Es konnte nicht nur den Strombedarf Innsbrucks decken, sondern auch andere Tiroler Orte sowie die Österreichischen Bundesbahnen mit Strom beliefern. 1934 erfolgte die Fusion mit der Zillertaler Kraftwerk AG.

Der Startschuss für die öffentliche Stromversorgung in Oberösterreich erfolgte 1892 mit den Planungen und dem Bau der Dampfzentrale in St. Wolfgang. 1901 wurde das erste große Wasserkraftwerk Oberösterreichs, das Kraftwerk Traunfall, mit einer Leistung von 1830 kW durch die Ingenieure Josef Stern und Franz Hafferl in Betrieb genommen. Doch erst 1920 wurde die Oberösterreichische Wasserkraft Ges.m.b.H. gegründet, die bereits zwei Jahre später in die Oberösterreichische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (OWEAG) umgewandelt wurde. 1929 vereinigten sich die OWEAG und die EW Stern&Hafferl AG zur Österreichischen Kraftwerke AG (ÖKA). Die neue Gesellschaft besaß 12 Wasserkraftwerke und zwei Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 85 MW und 3250 Kilometer Stromleitungen – damals eine ganz außerordentlich starke Aufstellung!

Im Burgenland musste man bis in die 1950er Jahre warten, bis eine eigene Landesgesellschaft gegründet wurde, doch fand die Elektrifizierung genauso früh wie in Restösterreich statt. Schon 1888 wurde das Hotel “Zum goldenen Adler” in Eisenstadt elektrisch beleuchtet und es entstanden viele kleine Kraftwerke. Damals gehörte das Burgenland aber noch zum Königreich Ungarn.

Strom unterm Nationalsozialismus

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich galt ab März 1938 das deutsche Energiewirtschaftsgesetz, das in Teilen sogar bis 2009 (!) Bestand hatte. In Folge dessen wurden die Alpenelektrowerke AG (AEW) geschaffen, die Vorläuferin des heutigen Verbundes.

In dieser Zeit wurden große Wasserkraftwerke geplant und häufig mit Zwangsarbeit von KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene erbaut. Auch wurden zahlreiche kleine Elektrizitätswerke „arisiert“, wobei die Enteignungen und Zwangsverkäufe oftmals bis heute nicht geklärt wurden. Teilweise strebten nach Kriegsende ehemalige Besitzer:innen die Restitution ihres Eigentums an, doch blieb diese oft erfolglos. Auch die Landesgesellschaften wurden in die AEW eingeordnet. Teilweise wurden sie einfach übernommen, teilweise erhielten sie auch eine Neustrukturierung. Dabei wurde die Kärntner KÄWAG 1939 zur KELAG (Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft), die niederösterreichische NEWAG wurde in Gauwerke Niederdonau AG umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die elektrische Infrastruktur schwer beschädigt. Zudem gab es Demontagen und Plünderungen in den Kraftwerken. Gerade zu Kriegsende und in der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Versorgungssituation schwierig und es kam zu zahlreichen Netzzusammenbrüchen.

Der Wiederaufbau und Aufschwung

Für den Wiederaufbau der elektrischen Infrastruktur flossen zwischen 1948 und 1954 rund drei Milliarden Schilling aus den Mitteln des Marshallplans. Das entspräche heute einer Kaufkraft von fast drei Milliarden Euro.

Auch die Landesgesellschaften werden wieder selbstständig und gingen zumeist in den Landesbesitz über. Der Energiehunger stieg und so kam es in der Nachkriegszeit stark zum Bau von weiteren Kraftwerken, wie zum Beispiel im Tiroler Imst und im Kaunertal. Mit den Geldern des Marshall-Plans kann 1949 auch das steirische Kraftwerk Salza eröffnet werden, das zu einem Symbol des Wiederaufbaus wird. Ein Energiemonopol entstand und bestehende Elektrizitätswerke wurden zumeist in die Landesgesellschaften integriert; etwa die der Städte Feldkirchen, St. Veit, Spittal, Villach und Wolfsberg wurden der KELAG eingegliedert.

Im Zuge des Zweiten Verstaatlichungsgesetzes setzte die Verstaatlichung der Elektrizitätswirtschaft durch den Nationalrat beschlossen. So wurde der Verbund 1947 als Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG neugegründet, als Nachfolgerin der AEW. Für den Wiederaufbau Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg besonders wichtig waren Planung, Bau und Betrieb von Großkraftwerken, als auch eines überregionalen Stromnetzes, welches allgemein auch Verbundnetz genannt wurde. Dieses wurde für das Unternehmen schließlich namensgebend.

Als jüngstes Energieversorgungsunternehmen Österreichs entstand 1958 die BEWAG (Burgenländische Elektrizitätswirtschafts Aktiengesellschaft). Sie übernahm 1959 von der niederösterreichischen EVN und der steirischen STEWEAG die Stromversorgung im Burgenland.

In den 1950-60ern erfolgte dann die Restelektrifizierung des ländlichen Raums. Zudem wurde der Energiehunger immer größer, der Wirtschaftsaufschwung ließ den Stromverbrauch steigen. Durch den Ausbau vor allem der Wasserkraftwerke wurde Österreich in den 1960ern zu einem Stromexportland.

Krise, Börsengänge und Liberalisierung des Strommarktes

Mit der Ölkrise der 1970er kam der Wunsch nach einem eigenen Atomkraftwerk auf, das AKW Zwentendorf wurde erbaut, doch konnte die Volksabstimmung 1978 verhindern, dass es in kommerziellen Betrieb ging. Ab den 1980ern setzte man vorwiegend auf Wasserkraft und der Anteil an Dampfkraftwerken schwand. An ihre Stelle traten kalorische Kraftwerke, die die Fernwärme speisen.

1988 wurde die Teilprivatisierung der staatlichen Elektrizitätsunternehmen erlaubt. Mit der zunehmenden Liberalisierung des Strom- und Gasmarkts wurden die Netzbereiche für Strom und Erdgas ausgegliedert. Es kam zu Verkäufen und Beteiligungen abseits von den Ländern.

1986 wurde die NEWAG zur EVN und ging in zwei Schritten (1989 und 1990) an die Börse. 1996 wurde die Energie Steiermark als Dachgesellschaft für die STEG und STEWEAG gegründet. 1999 wurde aus der OKA nach einer Reorganisation die Energie AG Oberösterreich. Im Jahr 2000 verschmolzen außerdem die Salzburger Stadtwerke mit der 1920 gegründeten Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE) zur heutigen Salzburg AG. In Kärnten entstand 2005 das Tochterunternehmen KELAG Netz GmbH, das 2013 in Kärnten Netz umbenannt wurde. In Niederösterreich wurde 2006 die EVN Netz GmbH als 100%ige Tochter der EVN AG gegründet und 2013 in Netz Niederösterreich GmbH umbenannt.

Auch beim Ökostrom war Österreich schon früh vorn dabei: 1989 eröffnete die OKA das Sonnenkraftwerk am Loser und erzeugte zum ersten Mal Ökostrom. Auch die STEWAG setzt in den 1990ern bereits früh auf Ökostrom. Generell ist die grüne Wasserkraft aber schon seit den Anfängen der Elektrizität in Österreich Hauptlieferant.

Darüber hinaus erfolgte zwischen 1996 und 2003 die schrittweise Öffnung des Energiemarktes. Nun entstanden viele Energielieferanten, deren Stromtarife sich oft deutlich von denen der alten Landesversorgern unterschied. Umgekehrt traten viele der Landesversorger nun auch im Ausland als Energielieferant auf oder haben Beteiligungen. Eine zunehmende Globalisierung des Strommarktes entstand – dadurch ist es mittlerweile so einfach geworden den Stromtarif zu wechseln und Geld zu sparen. Du suchst einen günstigeren Stromanbieter? Hier gibt es den besten Tarif.

( Artikel veröffentlicht: 24.05.2024 )

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Über die Autorin
Geschrieben von Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Victoria ist technische Redakteurin bei tarife.at. Sie bringt hochkomplizierte, technische Begriffe in eine verständliche Sprache. Unterstützung bekommt die Technik-Liebhaberin von ihrem Büro-Hund, Herr Baron 🐶.

Häufige Fragen zum Thema Geschichte der Elektrizität in Österreich

Österreich begann sich in der Gründerzeit, also im ausgehenden 19. Jahrhundert, zu elektrifizieren. Bis zur vollständigen Elektrifizierung verging dann aber fast ein Jahrhundert. Die Erzeugung und Verteilung von Strom begann in Österreich nicht zentral organisiert, wie im Fall der des Telefonnetzes, sondern ganz unterschiedlich und dezentralisiert. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden eine Vielzahl an kleinen und größeren Elektrizitätswerken, die kommunal oder privat geführt waren. Sie verlegten jeweils ihr eigenes Netz.


1988 wurde die Teilprivatisierung der staatlichen Elektrizitätsunternehmen erlaubt. Mit der zunehmenden Liberalisierung des Strom- und Gasmarkts wurden die Netzbereiche für Strom und Erdgas ausgegliedert. Es kam zu Verkäufen und Beteiligungen abseits von den Ländern.

1986 wurde die NEWAG zur EVN und ging in zwei Schritten (1989 und 1990) an die Börse. 1996 wurde die Energie Steiermark als Dachgesellschaft für die STEG und STEWEAG gegründet. 1999 wurde aus der OKA nach einer Reorganisation die Energie AG Oberösterreich. Im Jahr 2000 verschmolzen außerdem die Salzburger Stadtwerke mit der 1920 gegründeten Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE) zur heutigen Salzburg AG. In Kärnten entstand 2005 das Tochterunternehmen KELAG Netz GmbH, das 2013 in Kärnten Netz umbenannt wurde. In Niederösterreich wurde 2006 die EVN Netz GmbH als 100%ige Tochter der EVN AG gegründet und 2013 in Netz Niederösterreich GmbH umbenannt.

Auch beim Ökostrom war Österreich schon früh vorn dabei: 1989 eröffnete die OKA das Sonnenkraftwerk am Loser und erzeugte zum ersten Mal Ökostrom. Auch die STEWAG setzt in den 1990ern bereits früh auf Ökostrom. Generell ist die grüne Wasserkraft aber schon seit den Anfängen der Elektrizität in Österreich Hauptlieferant.

Darüber hinaus erfolgte zwischen 1996 und 2003 die schrittweise Öffnung des Energiemarktes. Nun entstanden viele Energielieferanten, deren Stromtarife sich oft deutlich von denen der alten Landesversorgern unterschied. Umgekehrt traten viele der Landesversorger nun auch im Ausland als Energielieferant auf oder haben Beteiligungen. Eine zunehmende Globalisierung des Strommarktes entstand.


Österreich deckt seine Stromproduktion zu etwa zwei Dritteln aus der Wasserkraft. Das ist bei einer Erzeugung von ungefähr 72,9 Terawattstunden Strom pro Jahr ein bedeutender Wert: 35,38 TWh entstehen allein durch Wasserkraft (2020). Auf dem zweiten Platz stehen Wärmekraftwerke, die einen Anteil von 22 Prozent stellen. Diese werden mit fossilen Brennstoffen, wie Erdgas oder Öl, aber auch mit Biomasse betrieben. Den dritten Platz belegt die Windkraft. Die von vielen etwas skeptisch beäugten Windräder stehen beispielsweise im burgenländischen Windpark Andau/Halbturn, dem drittgrößen Windpark Europas, und liefern rund 10 Prozent Energie am Strommarkt Österreichs.