Vorteile bei Heizung und Warmwasser

Vorteile bei Heizung und Warmwasser

Platzsparend, sicher und komfortabel ‚Äď Fernw√§rme ist eine beliebte M√∂glichkeit, um sich wohlige W√§rme und Warmwasser ins Haus zu holen. Dabei wird die W√§rmeenergie vom Heizkraftwerk √ľber ein unterirdisches Rohrsystem zum Endverbraucher geleitet. Der Vorteil: F√ľr den Verbraucher entfallen so ein eigener Heizkessel, Brennstofflager und Schornstein.

In √Ėsterreich betrug der energetische Endenergieverbrauch der Fernw√§rme rund 72 Terajoule (TJ) f√ľr 2020. Davon wurden fast 85 Prozent zum Heizen und f√ľr Warmwasser eingesetzt. Besonders in dicht besiedelten Wohngebieten ist das Fernw√§rmenetz meist gut ausgebaut, weshalb sich ein Anschluss definitiv lohnen kann. Aber wie funktioniert Fernw√§rme √ľberhaupt? Wie hoch sind die Kosten f√ľr Fernw√§rme in √Ėsterreich? Und ist dieses Heizsystem umweltfreundlich? Wir haben die wichtigsten Infos zur Fernw√§rme zusammengefasst.

Was ist Fernwärme?

Fernw√§rme liefert Heizw√§rme und Warmwasser in Gewerbe- und Wohnh√§user. Dabei wird die W√§rmeenergie √ľber ein (meist) erdverlegtes Rohrnetz zum Endverbraucher gebracht. Versorger sind √ľblicherweise Heizkraftwerke, welche √ľber Pump- und √úbergabestationen die W√§rme an den Endverbraucher bringen. Dabei gilt Fernw√§rme als effizient, denn ohne nennenswerte W√§rmeverluste kann die W√§rme √ľber viele Kilometer Entfernung geleitet werden.

Das Wissen daf√ľr ist alt: Denn bereits die alten R√∂mer machten sich die Technik der Fernw√§rme zunutze. Dort wurde √ľber Rohrleitungen hei√ües Thermalwasser transportiert, das zur Heizung des Fu√übodens oder von B√§dern genutzt wurde.

2020 lag die Trassenl√§nge der Fernw√§rmenetze in √Ėsterreich gesamt bei etwa 5.600 Kilometer in 2020, zum Vergleich 2010 lag sie noch bei 4.100 Kilometer. F√ľr 2030 wird eine Netzl√§nge von 6.500 km prognostiziert.

Fernw√§rme wird in √Ėsterreich √ľberwiegend in Ballungsgebieten bezogen. Das liegt zum einen an der limitierten L√§nge der Rohrleitungen und zum anderen am hohen Investitionsaufwand. √úbrigens spricht man bei einer W√§rmeleitung √ľber kurze Strecken mit einigen hundert Metern nicht von Fernw√§rme, sondern logischerweise von Nahw√§rme.

Au√üerdem gibt es nicht nur Fernw√§rme, sondern auch Fernk√§lte. Diese wird zur Klimatisierung und K√ľhlung genutzt, doch waren 2020 erst 25 km Netzl√§nge ausgebaut.

Wie funktioniert Fernwärme?

Das Fernwärmesystem besteht aus verschiedenen Komponenten:

  • Heizkraftwerk

  • w√§rmeisoliertes Rohrsystem

  • √úbergabestation

Im Heizkraftwerk wird die Fernw√§rme meist mit Kraft-W√§rme-Kopplung (KWK) oder in Blockheizkraftwerken erzeugt. Dabei wird mittels Verbrennung Strom und W√§rme produziert. Tats√§chlich entsteht die Abw√§rme nur als Nebenprodukt. Doch anstatt sie ungenutzt in die Luft zu blasen, wird sie sinnvoll f√ľr Warmwassererzeugung genutzt. Diese wird nicht einfach an die Umgebung abgegeben, sondern kann genutzt werden, indem sie in ein Fernw√§rmenetz eingespeist wird. So wird gleicherma√üen Strom und Nutzw√§rme produziert. Aus diesem Grund haben Heizkraftwerke mit Kraft-W√§rme-Kopplung auch einen hohen Wirkungsgrad. Das bedeutet, beim Umwandlungsprozess in Strom und W√§rme geht nur sehr wenig Energie verloren.

Zur Erzeugung von Fernw√§rme k√∂nnen unterschiedliche Brennstoffe verwendet werden: Neben fossilen Rohstoffen wie √Ėl, Gas oder Kohle kommen auch erneuerbare Energien wie Biomasse oder Solarenergie per Photovoltaikanlage zum Einsatz. Etwa die H√§lfte der der Fernw√§rmekraftwerke in √Ėsterreich werden mit biogenen Brennstoffen betrieben. Dazu z√§hlen Brennholz, Pellets (siehe Pelletheizung), Pflanzen√∂le oder auch Bioabfall. An zweiter Stelle steht Erdgas mit knapp 40 Prozent. Die Erzeugung von Fernw√§rme in √Ėsterreich erfolgt also √ľberwiegend mit CO‚āā-armen Energietr√§gern.

Die erzeugte W√§rme aus dem Kraftwerk wird anschlie√üend √ľber die Fernw√§rmeleitung weiter geleitet. Als Transportmedium wird daf√ľr in der Regel Wasser verwendet. Dieses eignet sich aufgrund seiner w√§rmespeichernden Eigenschaften besonders gut. Das hei√üe Wasser wird durch unterirdisch verlegte, w√§rmeisolierte Heizungsrohre geleitet. Trotz der Isolierung geht beim Transport aber W√§rme verloren. Aus diesem Grund ist die L√§nge der Fernw√§rmerohre begrenzt. Die l√§ngste Fernw√§rmeleitung in √Ėsterreich ist 31 Kilometer lang und befindet sich zwischen D√ľrnrohr und St. P√∂lten.

Das hei√üe Wasser im Rohrsystem gelangt √ľblicherweise nicht direkt zum Endverbraucher, sondern wird √ľber eine √úbergabestation geleitet. Die √úbergabestation bildet das Mittelst√ľck zwischen den zwei Kreisl√§ufen, dem des Fernw√§rmenetzes und dem Warmwasserkreislauf der Verbraucher*innen. Nur bei Gro√üverbrauchern kann das System auch direkt an das Fernw√§rmenetz angeschlossen sein.

Fernwärme Wien

Wien verf√ľgt √ľber eines der umfassendsten Fernw√§rmesysteme in Europa. Die Gesamtl√§nge bel√§uft sich auf √ľber 1.300 Kilometer, was in etwa der Strecke von Wien nach Istanbul entspricht. Versorgt werden durch die Wien Energie AG rund ein Drittel der Haushalte in der Donaumetropole. Rund 440.000 Haushalte in Wien werden mit Fernw√§rme versorgt.

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Rund die H√§lfte der Fernw√§rmeenergie stammt aus Kraft-W√§rme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen), die mit Erdgas betrieben werden. Au√üerdem werden industrieller Abw√§rme, M√ľllverbrennung, Biomasse und Erd- und Umgebungsw√§rme genutzt. In den M√ľllverbrennungsanlagen k√∂nnen rund 900.000 Tonnen Abf√§lle im Jahr in W√§rmeenergie verwandelt und j√§hrlich rund 1,5 Millionen Megawattstunden W√§rme generiert werden. Dies tr√§gt zur Verringerung der CO‚āā-Emissionen bei, denn durch die Fernw√§rme reduzieren sich umweltsch√§dliche Emissionen um 1,9 Millionen Tonnen. Bis 2040 soll die Fernw√§rme in Wien klimaneutral und komplett erdgas-frei sein.

Die markante Fassade der M√ľllverbrennungsanlage in Spittelau wurde vom √∂sterreichischen K√ľnstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet. Dieser vertrat die Philosophie, dass Architektur in Harmonie mit der Natur stehen muss und er engagierte sich stark f√ľr die Umwelt. Seit 1971 sorgt die Anlage f√ľr Fernw√§rme in Wien. Beim Bau ging nicht alles rund. Eine Besonderheit gibt es zur Kappe auf einem kleinen Turm des Geb√§udes: W√§hrend einer Diskussion mit den Bauherren soll Hundertwasser zornig die Runde mit den Worten ‚ÄěIch hau den Hut drauf!‚Äú verlassen haben. Die Bauherren hielten dies f√ľr eine gute Idee und erg√§nzten die Anlage um die Kappe.

Shutterstock - Selten ist eine M√ľllverbrennung so sch√∂n: Die Verbrennungsanlage in Spittelau wird in Wien auch liebevoll als M√ľllschloss bezeichnet.

Fernwärme Salzburg

√úber ein 300 Kilometer langes Fernw√§rmenetz versorgt die Salzburg AG rund 24.000 Kunden in der Mozartstadt. Neben Abw√§rme und Erdgas verwendet die Salzburg AG auch Biomasse. Gerade Biomasse gilt als klimaneutral, denn hier wird beim Verbrennen soviel CO‚āā generiert, wie w√§hrend der Wachstumsphase als Baum oder Strauch verbraucht wurde. Deswegen erfolgt auch ein weiterer Ausbau, f√ľr den im Oktober 2022 der Spatenstich der Fernw√§rme S√ľd-West-Spange erfolgte, die Bauarbeiten soll 2026 abgeschlossen sein. Hierf√ľr investierte die Salzburg AG insgesamt 24,6 Millionen Euro. Nun sollen das Biomasse Heizkraftwerk Siezenheim II, die Abw√§rmenutzung des neuen Kaindl HKWs und jetzt der Ausbau der Fernw√§rme S√ľd-West-Spange, das Ziel erm√∂glichen Salzburg bis 2040 klimaneutral zu machen.

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Wie umweltfreundlich ist Fernwärme?

Die Erzeugung von Fernw√§rme ist verglichen mit konventionellen Gro√ükraftwerken klimafreundlicher, aber trotzdem meist noch alles andere als klimaneutral. Einer der Gr√ľnde ist die Verwendung von Gas als Brennstoff. Doch auch nachhaltige Energieressourcen wie Biomasse werden genutzt. Mit ihnen kann sich auch die Fernw√§rme langfristig als klimaneutral etablieren.

Klimafreundliche Brennstoffe:

  • Biomasse: Biomasse aus Holz ist ein besonders wichtiger Biobrennstoff. Dabei handelt es sich in der Regel um Rinde, S√§gerestholz oder Hackschnitzel.

  • Solarenergie: Hier wird das Sonnenlicht als Energiequelle genutzt und mittels Photovoltaik in elektrische Energie umgewandelt.

  • Biogas: Durch die Verg√§rung von Biomasse (pflanzliche Abf√§lle und tierische Reststoffe) entsteht Biogas. Dieses gilt als CO2-neutral.

  • Abw√§rme: Abw√§rme entsteht bei der Produktion in Industrie- und Gewerbebetrieben. Dabei handelt es sich um ungenutzte W√§rme, die in die Umgebung abgegeben wird.

Nachhaltige Großwärmepumpen

Eine ebenfalls umweltfreundliche L√∂sung ist die Einbindung von Gro√üw√§rmepumpen in Fernw√§rmenetzen. Diese k√∂nnen W√§rme aus unterschiedlichen Quellen, etwa Abw√§rme der Industrie, in Nutzw√§rme umwandeln. Eine der gr√∂√üten W√§rmepumpen Europas leistet seit M√§rz 2019 ihre Arbeit in Wien, genauer im Kraftwerk Wien Simmering. Rund 25.000 Haushalte versorgt die Riesenpumpe mit CO‚āā-freier Fernw√§rme durch Abw√§rme der Kraftwerksanlage. Dabei werden etwa 40.000 Tonnen CO‚āā werden eingespart.

Trotz der Vorteile und verbesserten Effizienzen: Ein Problem stellt der Energieverlust beim Transport dar. Auf dem Weg zum Verbraucher geht immer Wärme verloren. Deshalb ist der Einsatz von Fernwärmesystemen in dicht besiedelten Gebieten mit geringer Entfernung zum Kraftwerk am effizientesten.

Vor- und Nachteile von Fernwärme

Du möchtest Fernwärme nutzen? Hier sind die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick.

Vorteile
  • wenig Aufwand (W√§rmeproduktion ausgelagert)
  • keine Wartungskosten
  • platzsparend (kein Heizkessel oder Brennstofflager n√∂tig)
  • umweltfreundlich
Nachteile
  • Energiekosten k√∂nnen vergleichsweise hoch ausfallen
  • Verf√ľgbarkeit nur in urbanen Gebieten
  • lange Bindungsvertr√§ge und Anbieter-Monopol

( Zuletzt aktualisiert: 24.01.2023. Urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht: 19.01.2023 )

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√úber die Autorin
Geschrieben von Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Victoria ist technische Redakteurin bei tarife.at. Sie bringt hochkomplizierte, technische Begriffe in eine verst√§ndliche Sprache. Unterst√ľtzung bekommt die Technik-Liebhaberin von ihrem B√ľro-Hund, Herr Baron ūüź∂.