Pink Power im Magenta-Netz

Verfasst am 19.2.2020

Bei 21 Prozent Umsatzsteigerung und 36 Prozent Ergebnisanstieg kann CEO Andreas Bierwirth auf ein gutes Jahr 2019 bei Magenta Telekom zurückblicken. Ob zum Thema Glasfaser- und 5G-Netzausbau, CO2-Abdruck oder eine Downloadrate von einem Gigabit: Magenta möchte als schnellstwachsender Netzbetreiber Österreichs wahrgenommen werden.

Damit hat Magenta seinen Jahresumsatz 2019 auf 1,28 Mrd. erhöht und ist im Ranking der Deutschen Telekom wohlverdient unter den Top 3 der Unternehmen im Europasegment. Das bereinigte EBITDA AL legte auf 467,4 Mio. Euro zu. Auch in den Investitionen legt man um sechs Prozent und damit 242 Mio. Euro zu.

Eine große Familie

Das Kundenwachstum ist mit 5 Prozent überschaubar, aber dafür mit Kooperationen gut gedeckt. So fährt nicht nur jeder neue BMW weltweit mit einer Magenta-Österreich-SIM-Karte, auch mit Hapag Lloyd und Black & Decker sind starke Partner gefunden. Im Privatkundenbereich möchte man mit einem verbesserten "Magenta EINS" die ganze Familie einbinden, das ab 11. März 2020 in Kraft treten soll. Die Breite von Tarifen soll auch in Zukunft möglichst flexible Lösungen für unterschiedliche Zielgruppen attraktiv abdecken. Neue Nutzer versucht man über die günstigeren "Hi!Magenta"-Tarife zu gewinnen. Diese locken mit niedrigen Preisen, Smartphones und dem Entfall des Aktivierungsentgeltes. Sehr romantisch erklärt Bierwirth: "Diese sollen ein erster Kuss, eine erste Berührung mit der Marke Magenta sein." Mit "Magenta EINS" bieten ab dem zweiten Vertrag die Vorteile eine starke Kundenbindung.

Familienzusammenhalt gibt es auch weiterer Natur: tele.ring wird nun völlig integriert. "Wir wollen mit dem Paradigma der Zweitmarke brechen und eine integrative Marke sein. Jeder Österreicher und jede Österreicherin soll die Möglichkeit haben von Magenta umarmt zu werden", schwärmt Bierwirth. Die Rechnung nicht auf eine getrennte Billigschiene zu setzen ging auf, denn eine Abwanderung sei nicht zu spüren. Ehemalige tele.ring-Kunden dürfen ihre Verträge auch weiter behalten, bekommen jedoch die Möglichkeit in neue Magentaverträge zu wechseln.

Superlative der Zukunft

"Das Gigabit-Zeitalter ist eingeläutet", so Bierwirth zum Ausbau des Glasfasernetzes im Großraum Wien, wo nun rund eine Million Haushalte flächendeckend erreicht werden. Magenta hat zudem als erster Betreiber in Österreich das 5G-Netz im März 2019 in Betrieb genommen. Das neue Netz steht vor Herausforderungen: So findet man sich auch in ausgewiesenen 5G-Bereichen zum Teil immer noch im 4G/LTE-Netz. Dies liegt allerdings nicht nur an den Antennen, sondern auch an den Endgeräten, von denen noch die wenigsten diese Frequenzen empfangen können.

Nicht nur in technischen Belangen, auch auf emotionaler Ebene gibt es beim Management von Magenta Grund zur Freude: Die Fusionsmarke wurde nach dem Kauf von UPC und der T-Mobile Austria aus der Taufe gehoben. Dabei musste sich das Unternehmen, das der Deutschen Telekom gehört, als eigenständig behaupten. "Die gläserne Decke ist durchbrochen. Wir werden weniger als die technokrate Telekom, sondern immer stärker als eigene Marke, positiver und österreichischer wahrgenommen", so Bierwirth.

Wettbewerb und Partnerschaft

Mit dem Kauf von UPC 2018 ist Magenta auch Fernsehanbieter in Österreich. Durch zunehmende Änderung des Fernsehverhaltens, ist man gezwungen nach neuen Innovationen zu suchen, um die eine angestrebte Führungsrolle auszubauen. So ist auch eine neue Set-Top-Box geplant, sowie eine stärkere Einbindung von weiteren Partnern.

Wie es mit Huawei als Partner für den Ausbau des 5G-Netzes weitergeht, berührt sicherheits- und wirtschaftspolitische, aber auch populistische Ebenen. Als Netzbetreiber steht Magenta sicher, im Softwarebereich verfügt man über andere Zulieferer. Die Antennen als Hardware sind hingegen in Sachen Sicherheit unsensibel, trotzdem sind Alternativen möglich. Ein Umstieg bedeutet Herausforderungen im Engineeringbereich, doch man ist zuversichtlich, dass dies keine Probleme darstellen würde. Gerade bei kritischer Infrastruktur scheint man mit diesen sehr bewusst umzugehen.

Grünes Magenta

Um einen bewussten Umgang bemüht man sich auch in Sachen Umweltschutz, weswegen Magenta durch aktives Bemühen (etwa Papier- statt Plastiktaschen, Grünstromeinkauf) und durch Kompensationszahlungen (zum Beispiel mit Aufforstungsprojekten) ein C02-neutrales Unternehmen ist. Auch die Ängste zum 5G-Ausbau nimmt man ernst. Gleichzeitig betont Bierwirth, dass Teile des momentanen 4G-Netzes ins 5G-Netz umgewidmet werden, und daher keine Änderung der effektiven Strahlung vorhanden ist. "Ein empfangsuchendes Handy verursacht viel mehr Strahlung als eines, das sich im 5G-Netz befindet. Ich arbeite direkt unter einer Antenne, ich möchte auch nicht, dass die Krebs verursacht", so Bierwirth.

Berechtigter sind laut dem CEO Zukunftsängste wegen des Coronavirus: Magenta sagte, wie viele andere, die Teilnahme am Mobile World Congress in Barcelona ab. Wirtschaftlich ist dieses ein Problem: Eine Verzögerung von drei bis sechs Wochen für Lieferungen und Verhandlungen sorgen momentan für Unruhe. Ob Apple weiterhin liefern kann, sei ungewiss. Bei einer Pandemie wären weitere wirtschaftliche Probleme nicht absehbar.

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