Digitalisierungindex stagniert trotz Pandemie

verfasst am 11.5.2021
Digitalisierungindex stagniert trotz Pandemie

Drei hat die Digitalisierung der Unternehmen in Österreich nach Corona mit dem Digitalisierungsindex beleuchtet. Fazit: Großunternehmen konnten ausbauen, kleine blieben aber meist stehen.

Digitalisierung, das ist doch nur die Webseite und ein wenig Home Office, oder? Dass hinter der Digitalisierung wesentlich mehr steckt, ist vielen leider noch nicht bewusst. Auch dies ist ein Grund, warum der Digitalisierungsindex, den Drei mit den Unternehmen marketmind und Arthur D. Little Austria erarbeitet hat, in Österreich nicht so weit fortgeschritten ist, wie man aufgrund der Coronakrise meinen sollte.

Stagnation trotz Corona

Gefühlt hat sich digital viel verändert, doch der Digitalisierungsindex ist nur von 34 auf 35 von 100 möglichen Punkten gestiegen. Weitaus weniger als erwartet. Heimische Großbetriebe erreichten zwar einen durchschnittlichen Fortschrittsgrad von 54 Punkten, um 11 mehr als noch 2019. Bei Kleinstunternehmen hat sich der Wert mit 34 kaum verändert. In Summe ist damit der Digitalisierungsindex für Unternehmen in Österreich 2021, gegenüber vor der Pandemie, nur marginal gestiegen.

Trotz der Pandemie verzichtet jedes dritte Unternehmen auf die digitale Ansprache bestehender und neuer Kunden. Dementsprechend erzielt immer noch der Großteil der Unternehmen unter zehn Prozent des Umsatzes über digitale Kanäle. Immer noch besitzt ein Viertel der Betriebe keine eigene Website und nur ein Zehntel verfügt über einen Webshop.

So berechnet sich der Digitalisierungsindex

Für den Digitalisierungsindex wurden über 800 Unternehmen in 19 verschiedenen Branchen aus ganz Österreich zu Jahresbeginn 2021 befragt. Marketmind erhob die Zahlen, Arthur D. Little analysierte diese. Der Index setzt sich aus fünf Faktoren zusammen:

  • Einsatz von Telekommunikation und IT-Lösungen
  • Gestaltung der Kundenbeziehungen über digitale Kanäle
  • Arbeitsplatzorganisatuon (HomeOffice)
  • Entwicklungen im Produkt- und Serviceportfolio
  • Organisation von Betriebsabläufen

Große konnten wachsen, kleine Unternehmen blieben stehen

Zwar konnten Großbetriebe deutliche Sprünge nach vorn schaffen, bei Kleinstunternehmen (KMUs) ist davon aber nur wenig zu spüren gewesen. Dies liegt eben auch daran, dass die Krise gerade die kleinen Unternehmen so stark getroffen hat, dass hier an eine Investition in Digitalisierungstechnologie nicht zu denken war, da es bei vielen um das reine wirtschaftliche Überleben ging. Deutlich wird aber durch die Studie, dass sich die digitale Kluft erneut vergrößert hat.

Während bei den größten Unternehmen rund 90 Prozent angeben, dass Corona die Digitalisierung beschleunigt hat, könnten bei Kleinunternehmen mit unter zehn Beschäftigten nur 34 Prozent dieser Aussage zustimmen.

Mehr als die Hälfte der Großunternehmen im Zuge der Pandemie Home-Office oder Videokonferenztools eingeführt oder deren Einsatz verstärkt. Berücksichtigt man auch die kleinen Betriebe, geben aber gerade einmal acht Prozent an, vermehrt videotelefoniert zu haben und nur sechs Prozent haben in Corona-Zeiten zum ersten Mal oder verstärkt im Home-Office gearbeitet.

In Summe wird Home-Office nun in vier von zehn Unternehmen genutzt. Fast die Hälfte der Betriebe arbeitet auch nach Corona weiterhin ohne Telefon-, Video- und Webkonferenzen und ohne Digitale Signatur. Cloud-Services nutzen überhaupt erst 39 Prozent der Betriebe.

Industrie, Bildung, Information und Tourismus gewinnen

Die größten Digitalgewinner waren die Branchen Industrie, Information und Tourismus. Die Industrie stieg im Index auf 46 Punkte, Information und Consulting auf 42, Tourismus auf 39.

Diese Vorreiter sind jedoch nur ein kleiner Teil des Gesamtbilds. In anderen schwer betroffenen Branchen – Handel, Handwerk oder Logistik – haben nur wenige durch weitere Digitalisierungsschritte den Betrieb aufrechterhalten. So setzte nur jedes zehnte Unternehmen im Handel verstärkt auf neue Online-Absatzmärkte. So stagniert der Index im Handel fast bei 35 Punkten.

In der Logistik sank der Index sogar um sieben Punkte gegenüber dem Vorjahr auf 25 Punkte. Es gab hier also sogar digitale Rückschritte.

In der Bildung gab es einen der größten Digitalisierungssprünge: Hier wurde vier Mal so häufig in die IT Strukturen investiert. Neue Tools wie Videokonferenzen, Onlineschulungen und Home Office, aber auch Kooperationstools setzten sich rasch durch. Der Index vermeldet hier 41,2 Punkte.

Weniger gut als erhofft ist das Gesundheitswesen, das mit 22,7 Punkten Schlusslicht ist. Hier ging die Initiative wenn überhaupt von Kundenwünschen aus, und wurden weniger aus Eigenantrieb entwickelt.

Haupttreiber ist die Veränderung der Kommunikationsgewohnheiten. Nun bespielt man bereits mehrere Kanäle, es kommen aber in Zukunft ständig welche dazu und bleiben auch offen.

Stefan Schiel
Managing Director marketmind

Gründe für mangelhafte Digitalisierung

Vor allem die finanzielle Belastung stellt die Unternehmer vor eine Herausforderung. Daneben bereiten rechtliche Anforderungen, fehlendes Know-how, eine mangelhafte Internetverbindung und veraltete IT-Infrastruktur nach wie vor die größten Hürden der digitalen Transformation.

Hier ist es wichtig, dass die Stakeholder, vor allem die öffentliche Hand, nun Lösungen und Hilfe präsentiert. Zwar gibt es diese bereits, doch sie müssten deutlich bekannter werden und verstärkt ausgebaut.

Initiativen für mehr Beratung und für eine leichtere Finanzierung gibt es, müssen aber noch bekannter werden. Außerdem benötigen die Betriebe dringend breitflächig schnelles Internet: Rund ein Drittel sitzt hier immer noch vor leeren Gläsern.

Karim Taga
Managing Partner von Arthur D. Little Austria

Drei sieht sich als “Booster”

Drei bietet Produkte an, aber auch Information über die Initiative Drei Digitalimpuls. Hier will man für den Digitalisierungsschub informieren. In der Krise bot Drei als Teil des Digital Team Österreichs kostenloses Internet für Unternehmen an. Nun möchte man besonders den Ausbau von 5G forcieren, um auch entlegene Gegenden besser anzubinden.

Die weitere Digitalisierung der österreichischen Unternehmen wird für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nach Corona entscheidend sein. Daher müssen wir jetzt alles unternehmen, um die digitale Kluft zwischen Klein- und Großbetrieben, die sich hier in einem Jahr Pandemie weiter geöffnet hat, wieder zu schließen.

Rudolf Schrefl
CEO Drei

Insgesamt werden die Netzbetreiber A1, Magenta und Drei in den nächsten Jahren rund drei Milliarden Euro für den Internetausbau investieren. So hofft man nun branchenintern auf passende rechtliche Rahmenbedingungen durch die Neunovellierung des Telekommunikationsgesetzes.

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Über den Autor
Geschrieben von Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Victoria ist technische Redakteurin bei tarife.at. Sie bringt hochkomplizierte, technische Begriffe in eine verständliche Sprache. Unterstützung bekommt die Technik-Liebhaberin von ihrem Büro-Hund, Herr Baron 🐶.