E-Autos sind günstiger in der Erhaltung als Verbrenner, doch wie sieht es mit der Reichweite aus? Wir haben die wichtigsten Punkte für unterwegs genau unter die Lupe genommen.
Reichweite von E-Autos
Große Reichweiten gibt es nur mit den Superstars unter den E-Autos in der teuersten Klasse? Längst nicht mehr. Bei Modellen bis 50.000€, wie dem Peugeot E-3008, oder dem Renault Scenic Techno kommt man auf rund 625-700 Kilometer Reichweite. Selbst mit Modellen unter 30.000€, wie dem Fiat 500 Elektro Pop oder dem BYD Dolphin Surf Boost können Strecken von über 300 Kilometer am Stück gefahren werden. Das liegt unter anderem an der starken Entwicklung: Lag die durchschnittliche Reichweite von E-Autos 2017 noch bei lediglich 241 Kilometer, stand sie 2022 schon bei 504 durchschnittlichen Kilometer. Für 2025 wird sie durchschnittlich auf stolze 784 Kilometer geschätzt. Mit teuren eAutos über 100.000€ sind über 800 Kilometer Reichweite möglich.
Doch wie sieht es mit dem Winter aus? Bei kalter Batterie lässt die Wirkung nach – das ist richtig. Den Kinderschuhen der Reichweitenproblematik bei kaltem Wetter sind die meisten Hersteller jedoch schon länger entwachsen. In Norwegen, bekannt für sein raues Wetter, fahren rund 80 Prozent aller angemeldeten Fahrzeuge mittlerweile elektrisch und das ohne Probleme. Zumeist muss man im Winter jedoch etwa 10-20 Prozent weniger Ladeleistung hinnehmen.
Die Angaben der Hersteller sind unwahr? Jein, wie bei den Verbrennern wird auch bei E-Autos immer von einer optimalen Strecke mit optimalen Bedingungen ausgegangen, die eben nur eine Richtlinie für den Verbrauch vorgibt. Wie bei Verbrennern muss man daher üblicherweise von rund 10 bis 20 Prozent höherem Verbrauch beziehungsweise niedrigerer Reichweite ausgehen. Der Prüfzyklus, mit dem der Energieverbrauch und die Reichweite angegeben wird heißt WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure) und ist durch die EU-Kommission mit verschiedenen Phasen für Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn bei konstanten 23,0 Grad Celsius festgelegt.
Wieviel wird gefahren?
In Österreich gibt es rund 5,13 Millionen PKW. Pro Jahr fahren Herr und Frau Österreicher durchschnittlich rund 13.900 Kilometer mit 1,2 Autos. Ungefähr 11.583 Kilometer pro Auto macht das im Schnitt. Die Länge der meisten Autofahrten sind erstaunlich kurz: Rund 80 Prozent aller Fahrten sind kürzer als 20 Kilometer. Nur etwa 5 Prozent sind länger als 50 Kilometer. Insgesamt sind also rund 95 Prozent aller Autofahrten kürzer als 50 Kilometer. Die Reichweitenangst scheint daher im ersten Moment etwas unbegründet. Doch was ist mit den fünf Prozent aller Wege, die doch länger dauern, wie etwa Urlaubsfahrten? In diesem Fall sollte man die Ladestationen am Weg für Pausen gut einplanen.
Idealerweise wird ein E-Auto aber für die regulären Fahrten zwischen einem bis einigen hundert Kilometer genutzt. Für ständige Langstreckenfahrten von 1.000 Kilometern pro Tag oder mehr ist ein Umstieg vom Verbrenner oder Hybrid derzeit schwierig. Das dürfte aber nur eine extrem niedrige Anzahl an Personen in PKWs betreffen.
Laden, Akkus und E-Tankstellen
Das Laden bei E-Autos funktioniert glücklicherweise immer schneller. Voraussetzungen dafür sind eine kraftvolle Ladestation und eine hohe Ladeleistung des Akkus. Aber so schnell wie beim Verbrenner geht es leider immer noch nicht – und das ist auch noch immer die große Schwachstelle bei langen Fahrten.
Mit einem E-Auto sind leider Ladepausen verbunden. Diese werden allerdings von den Automobilklubs ohnehin nach 300 bis 400 Kilometer empfohlen, ganz gleich bei welchem Antrieb. Also aussteigen, Ladekabel an und Beine bewegen, Pinkelpause, einen Kaffee trinken und vielleicht sogar einen Happen essen. Je nach Akkuleistung dauert es mit einem Supercharger meist eine halbe Stunde, mit einer Schnellladestation etwa eine Stunde und bei den öffentlichen Ladesäulen rund 2 Stunden. Das ist schon recht langwierig und es bleibt zu hoffen, dass die Hersteller hier bald deutliche Besserungen schaffen.
Der große Vorteil ist jedoch, dass man von Zuhause nicht extra Tanken fahren muss, sondern das E-Auto bequem über Nacht an die heimatliche Ladestation hängt. Das kommt nicht nur günstiger, es spart die Suche nach Tankstellen im Vorhinein.
Wichtig ist auch der SoH (State of Health), der Gesundheitsstatus des Akkus: Je älter und häufig belastet der Akku wurde, desto schlechter kann er Energie aufnehmen und halten. So wird die Reichweite mit den Jahren immer weniger – mittlerweile aber längst nicht mehr so drastisch wie noch vor einigen Jahren.
Tipps für mehr Reichweite beim E-Auto
Wie kann man mehr Kilometer aus seinem Akku herausziehen? Wir haben die besten Tipps zusammengesucht:
- angenehm kühl: Nicht zu kalt und nicht zu heiß, das E-Auto fühlt sich in einer Garage, Tiefgarage oder zumindest im Schatten deutlich wohler. Hitze und Kälte sorgen für Akkustress und der reduziert die Reichweite.
- vorausschauendes Fahren: Wie hieß es schon in der Fahrschule? Keine Hektik, sondern lieber vorausschauend Fahren. Weniger aggressives Fahren erhöht die Reichweite. Auch sollte die Tachonadel nicht ständig am Limit sein, wer langsamer fährt, verbraucht viel weniger Strom.
- Energie rückgewinnen: Nutze die Rekuperation (Bremsenergie-Rückgewinnung) der Motorbremse beim Fahren, dann gewinnst Du Energie wieder zurück.
- Zusatzleistung vermeiden: Besonders wenn Du im Stau stehst, solltest Du auf alle nicht unbedingt nötigen Verbraucher ein Auge haben, wie zum Beispiel die Klimaanlage, Heizung, Radio oder Licht.
- leichte Fahrt: Du hast den Kofferraum rammelvoll mit Zeugs? Das ist nicht nur beim E-Auto eine unnötige Belastung. Je weniger Gewicht kutschiert wird, desto mehr Kilometer gehen sich aus.
- am Ladekabel vorheizen: Im Winter empfiehlt es sich das Auto vorzuwärmen, wenn es am Ladekabel hängt. Die Energie geht dann nicht vom Akku ab.
- Sitzheizung an: Anstelle der Hauptheizung sollte während der Fahrt auf Sitz- und Lenkradheizung zurückgegriffen werden. Diese sorgen für Wohlbehagen und sparen Energie.
- Türen zu: Türen und Fenster immer nur so kurz wie möglich geöffnet sein.
Marken und Modelle von Elektroautos und ihre Reichweite
Wir haben uns eine Reihe von neuen Modellen von E-Autos herausgesucht, die in völlig unterschiedliche Preisklassen fallen. Natürlich können wir nur eine kleine Auswahl zeigen und diese auch nicht selbst testen. Es gibt aber viele Tests wie zum Beispiel den Reichweitentest des ÖAMTC.
Wer Modelle bis 30.000€ sucht wird beim Hyundai Inster Smart Line (370 km), Fiat 500 Elektro Pop (331 km), NIO Firefly (330 km), Citroën ë-C3 You Standard Range (326 km) und BYD Dolphin Surf Boost (322 km) fündig. Wie bei Verbrennern fährt man auch bei eAutos mit den günstigen Modellen durchschnittlich nicht so weit und natürlich auch nicht so bequem wie in der Luxusklasse.
Einen großen Sprung bei der Reichweite macht man aber bei eAutos bis 50.000€: Renault Scenic Techno 220 PS long range (625 km), Kia EV4 Hatchback (625 km), Peugeot E-3008 (698 km), Tesla Model 3 Max. Reichw. Hinterradantrieb (750 km) und Model Y Max. Reichw. Hinterradantrieb (622 km).
Bei Modellen bis 70.000€ gibt es etwa den Peugeot E-5008 (664 km), BMW iX3 50 xDrive (805 km), Mercedes-Benz CLA 250+ (792 km), DS Nº8 FWD Long Range Pallas (749 km), VW ID.7 Pro S 210 kW (708 km) und Opel Grandland Electric (694 km).
Modelle bis 100.000€ wie den Audi A6 Sportback e-tron quattro (713 km), Polestar 3 Long Range Single Motor (706 km), BMW iX xDrive60 (701 km) und i7 (625 km), Volvo ES90 Twin Motor AWD (700 km) und Audi A6 Avant e-tron quattro (681 km). Hier gibt es auch den Lucis Air, der mit 972km eine der höchsten Reichweiten aufweist.
Modelle über 100.000€ bieten noch mehr Reichweite, wie etwa der Mercedes-Benz EQS 450+ (814 km), Tesla Model S Allradantrieb (744 km), Mercedes-Benz EQS 450+ SUV (692 km), Polestar 5 Dual Motor (670 km) und Porsche Taycan Black Edition (669 km).
Weiterführende Links
- Ratgeber 100 Prozent E-Mobilität: Haben wir genug Strom für Elektroautos in Österreich?
- Ratgeber Elektroautos und die Stromrechnung: Was kostet das Aufladen?
( Zuletzt aktualisiert: 15.04.2026. Ursprünglich veröffentlicht: 12.01.2023 )