Maximale Reichweite von E-Autos - Wie weit kommt Elektromobilität?

Maximale Reichweite von E-Autos - Wie weit kommt Elektromobilität?

E-Autos sind günstiger in der Erhaltung als Verbrenner, doch wie sieht es mit der Reichweite aus? Wir haben die wichtigsten Punkte für unterwegs genau unter die Lupe genommen.

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Reichweite von E-Autos

Große Reichweiten gibt es nur mit den Superstars unter den E-Autos in der teuersten Klasse? Längst nicht mehr. Bei Modellen bis 50.000€, wie dem Peugeot E-3008, oder dem Renault Scenic Techno kommt man auf rund 625-700 Kilometer Reichweite. Selbst mit Modellen unter 30.000€, wie dem Fiat 500 Elektro Pop oder dem BYD Dolphin Surf Boost können Strecken von über 300 Kilometer am Stück gefahren werden. Das liegt unter anderem an der starken Entwicklung: Lag die durchschnittliche Reichweite von E-Autos 2017 noch bei lediglich 241 Kilometer, stand sie 2022 schon bei 504 durchschnittlichen Kilometer. Für 2025 wird sie durchschnittlich auf stolze 784 Kilometer geschätzt. Mit teuren eAutos über 100.000€ sind über 800 Kilometer Reichweite möglich.

Auch im Praxistest des ADAC zeigt sich die deutliche Verbesserung binnen 12 Jahren: Gab es 2011 nur einen einzigen Testkandidaten mit mageren 95 Kilometer Reichweite, gab es 2017 deutlich mehr Kandidaten, die durchschnittlich 290 Kilometer schafften. 2023 lag die durchschnittliche Reichweite bereits bei 425 Kilometer.

Doch wie sieht es mit dem Winter aus? Bei kalter Batterie lässt die Wirkung nach – das ist richtig. Den Kinderschuhen der Reichweitenproblematik bei kaltem Wetter sind die meisten Hersteller jedoch schon länger entwachsen. In Norwegen, bekannt für sein raues Wetter, fahren rund 80 Prozent aller angemeldeten Fahrzeuge mittlerweile elektrisch und das ohne Probleme. Zumeist muss man im Winter jedoch etwa 10-20 Prozent weniger Ladeleistung hinnehmen.

Die Angaben der Hersteller sind unwahr? Jein, wie bei den Verbrennern wird auch bei E-Autos immer von einer optimalen Strecke mit optimalen Bedingungen ausgegangen, die eben nur eine Richtlinie für den Verbrauch vorgibt. Wie bei Verbrennern muss man daher üblicherweise von rund 10 bis 20 Prozent höherem Verbrauch beziehungsweise niedrigerer Reichweite ausgehen. Der Prüfzyklus, mit dem der Energieverbrauch und die Reichweite angegeben wird heißt WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure) und ist durch die EU-Kommission mit verschiedenen Phasen für Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn bei konstanten 23,0 Grad Celsius festgelegt.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Entwicklung des modernen E-Autos immer noch relativ in den Anfängen steckt. Es gibt jährlich große Forschungserfolge, die Leistungsstärke der Akkus hat sich in den letzten Jahren stark vervielfacht und wird wohl in ein paar Jahren noch viel stärker aussehen. Schon jetzt sind Wunderakkus zum Beispiel von Toyota mit bis zu 1.200 Kilometer Reichweite zwar noch nicht marktreif, aber in der Entwicklung. Auch die Ladegeschwindigkeiten werden ständig höher.

Wieviel wird gefahren?

In Österreich gibt es rund 5,13 Millionen PKW. Pro Jahr fahren Herr und Frau Österreicher durchschnittlich rund 13.900 Kilometer mit 1,2 Autos. Ungefähr 11.583 Kilometer pro Auto macht das im Schnitt. Die Länge der meisten Autofahrten sind erstaunlich kurz: Rund 80 Prozent aller Fahrten sind kürzer als 20 Kilometer. Nur etwa 5 Prozent sind länger als 50 Kilometer. Insgesamt sind also rund 95 Prozent aller Autofahrten kürzer als 50 Kilometer. Die Reichweitenangst scheint daher im ersten Moment etwas unbegründet. Doch was ist mit den fünf Prozent aller Wege, die doch länger dauern, wie etwa Urlaubsfahrten? In diesem Fall sollte man die Ladestationen am Weg für Pausen gut einplanen.

Idealerweise wird ein E-Auto aber für die regulären Fahrten zwischen einem bis einigen hundert Kilometer genutzt. Für ständige Langstreckenfahrten von 1.000 Kilometern pro Tag oder mehr ist ein Umstieg vom Verbrenner oder Hybrid derzeit schwierig. Das dürfte aber nur eine extrem niedrige Anzahl an Personen in PKWs betreffen.

Laden, Akkus und E-Tankstellen

Das Laden bei E-Autos funktioniert glücklicherweise immer schneller. Voraussetzungen dafür sind eine kraftvolle Ladestation und eine hohe Ladeleistung des Akkus. Aber so schnell wie beim Verbrenner geht es leider immer noch nicht – und das ist auch noch immer die große Schwachstelle bei langen Fahrten.

Mit einem E-Auto sind leider Ladepausen verbunden. Diese werden allerdings von den Automobilklubs ohnehin nach 300 bis 400 Kilometer empfohlen, ganz gleich bei welchem Antrieb. Also aussteigen, Ladekabel an und Beine bewegen, Pinkelpause, einen Kaffee trinken und vielleicht sogar einen Happen essen. Je nach Akkuleistung dauert es mit einem Supercharger meist eine halbe Stunde, mit einer Schnellladestation etwa eine Stunde und bei den öffentlichen Ladesäulen rund 2 Stunden. Das ist schon recht langwierig und es bleibt zu hoffen, dass die Hersteller hier bald deutliche Besserungen schaffen.

Der große Vorteil ist jedoch, dass man von Zuhause nicht extra Tanken fahren muss, sondern das E-Auto bequem über Nacht an die heimatliche Ladestation hängt. Das kommt nicht nur günstiger, es spart die Suche nach Tankstellen im Vorhinein.

Wie beim Handy funktioniert Schnelladen nur bis zu 80 Prozent der Akkuleistung. Das Laden der letzten 20 Prozent, also von 80 auf 100 Prozent dauert meist genausolang wie das Aufladen der ersten 80 Prozent. Idealerweise sollte die Ladung nie unter 20 und bestenfalls auch nie über 80 Prozent kommen, denn so sind die Akkuzellen am wenigsten gestresst.

Wichtig ist auch der SoH (State of Health), der Gesundheitsstatus des Akkus: Je älter und häufig belastet der Akku wurde, desto schlechter kann er Energie aufnehmen und halten. So wird die Reichweite mit den Jahren immer weniger – mittlerweile aber längst nicht mehr so drastisch wie noch vor einigen Jahren.

Tipps für mehr Reichweite beim E-Auto

Wie kann man mehr Kilometer aus seinem Akku herausziehen? Wir haben die besten Tipps zusammengesucht:

  • angenehm kühl: Nicht zu kalt und nicht zu heiß, das E-Auto fühlt sich in einer Garage, Tiefgarage oder zumindest im Schatten deutlich wohler. Hitze und Kälte sorgen für Akkustress und der reduziert die Reichweite.
  • vorausschauendes Fahren: Wie hieß es schon in der Fahrschule? Keine Hektik, sondern lieber vorausschauend Fahren. Weniger aggressives Fahren erhöht die Reichweite. Auch sollte die Tachonadel nicht ständig am Limit sein, wer langsamer fährt, verbraucht viel weniger Strom.
  • Energie rückgewinnen: Nutze die Rekuperation (Bremsenergie-Rückgewinnung) der Motorbremse beim Fahren, dann gewinnst Du Energie wieder zurück.
  • Zusatzleistung vermeiden: Besonders wenn Du im Stau stehst, solltest Du auf alle nicht unbedingt nötigen Verbraucher ein Auge haben, wie zum Beispiel die Klimaanlage, Heizung, Radio oder Licht.
  • leichte Fahrt: Du hast den Kofferraum rammelvoll mit Zeugs? Das ist nicht nur beim E-Auto eine unnötige Belastung. Je weniger Gewicht kutschiert wird, desto mehr Kilometer gehen sich aus.
  • am Ladekabel vorheizen: Im Winter empfiehlt es sich das Auto vorzuwärmen, wenn es am Ladekabel hängt. Die Energie geht dann nicht vom Akku ab.
  • Sitzheizung an: Anstelle der Hauptheizung sollte während der Fahrt auf Sitz- und Lenkradheizung zurückgegriffen werden. Diese sorgen für Wohlbehagen und sparen Energie.
  • Türen zu: Türen und Fenster immer nur so kurz wie möglich geöffnet sein.

Marken und Modelle von Elektroautos und ihre Reichweite

Wir haben uns eine Reihe von neuen Modellen von E-Autos herausgesucht, die in völlig unterschiedliche Preisklassen fallen. Natürlich können wir nur eine kleine Auswahl zeigen und diese auch nicht selbst testen. Es gibt aber viele Tests wie zum Beispiel den Reichweitentest des ÖAMTC.

Wer Modelle bis 30.000€ sucht wird beim Hyundai Inster Smart Line (370 km), Fiat 500 Elektro Pop (331 km), NIO Firefly (330 km), Citroën ë-C3 You Standard Range (326 km) und BYD Dolphin Surf Boost (322 km) fündig. Wie bei Verbrennern fährt man auch bei eAutos mit den günstigen Modellen durchschnittlich nicht so weit und natürlich auch nicht so bequem wie in der Luxusklasse.

Einen großen Sprung bei der Reichweite macht man aber bei eAutos bis 50.000€: Renault Scenic Techno 220 PS long range (625 km), Kia EV4 Hatchback (625 km), Peugeot E-3008 (698 km), Tesla Model 3 Max. Reichw. Hinterradantrieb (750 km) und Model Y Max. Reichw. Hinterradantrieb (622 km).

Bei Modellen bis 70.000€ gibt es etwa den Peugeot E-5008 (664 km), BMW iX3 50 xDrive (805 km), Mercedes-Benz CLA 250+ (792 km), DS Nº8 FWD Long Range Pallas (749 km), VW ID.7 Pro S 210 kW (708 km) und Opel Grandland Electric (694 km).

Modelle bis 100.000€ wie den Audi A6 Sportback e-tron quattro (713 km), Polestar 3 Long Range Single Motor (706 km), BMW iX xDrive60 (701 km) und i7 (625 km), Volvo ES90 Twin Motor AWD (700 km) und Audi A6 Avant e-tron quattro (681 km). Hier gibt es auch den Lucis Air, der mit 972km eine der höchsten Reichweiten aufweist.

Modelle über 100.000€ bieten noch mehr Reichweite, wie etwa der Mercedes-Benz EQS 450+ (814 km), Tesla Model S Allradantrieb (744 km), Mercedes-Benz EQS 450+ SUV (692 km), Polestar 5 Dual Motor (670 km) und Porsche Taycan Black Edition (669 km).

( Zuletzt aktualisiert: 15.04.2026. Ursprünglich veröffentlicht: 12.01.2023 )

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Über die Autorin
Geschrieben von Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Victoria ist technische Redakteurin bei tarife.at. Sie bringt hochkomplizierte, technische Begriffe in eine verständliche Sprache. Unterstützung bekommt die Technik-Liebhaberin von ihrem Büro-Hund, Herr Baron 🐶.

Häufige Fragen zum Thema Maximale Reichweite von E-Autos - Wie weit kommt Elektromobilität?

Ja, Du kannst Dein Elektroauto natürlich einfach an die Haushaltssteckdose hängen, aber das dauert dann halt ewig lang. Das Problem ist aber vor allem, dass Haushaltsleitungen für eine hohe und dauerhafte Stromlast nicht ausgelegt sind, und dies kann zu Kabelbränden führen. Eine Wallbox ist hingegen viel sicherer.

Doch es geht nicht nur um Sicherheit, auch kannst Du Deine Wallbox mit einer Solaranlage koppeln und dann Strom laden, wenn Deine PV-Anlage gerade besonders viel Strom erzeugt.


Bei Autos ist der Wirkungsgrad extrem unterschiedlich je nachdem welcher Antrieb genutzt wird. Einen sehr schlechten Wirkungsgrad haben Benzinmotoren, die meist zwischen 20 und 25 Prozent der zugeführten Energie auch in Bewegung umsetzen können. Die anderen 75 Prozent gehen als Abwärme und durch Reibung verloren und können nicht genutzt werden.

Dieselmotoren haben einen etwas besseren Wirkungsgrad mit rund 30 bis 35 Prozent. Doch auch hier geht der Großteil der zugeführten Energie nicht in die Bewegung, sondern in ungenutzte Wärme auf.

Sehr effizient sind hingegen E-Autos mit einem Wirkungsgrad von rund 70 bis 90 Prozent. Dies liegt daran, dass hier keine Verbrennung stattfindet, die die zugeführte Energie in Wärmeenergie umwandeln würde.

Am schlechtesten schneiden E-Fuels ab, denn diese haben einen schlechten Ausgangswert und liefern weniger Energie, zudem wird bei ihrer Erzeugung sehr viel mehr Energie benötigt. Sie haben einen Wirkungsgrad von nur rund 10 Prozent von der Energiequelle bis zum Fahrzeugrad.


Würden von heute auf morgen in Österreich alle Autos auf E-Autos umgestellt, würden diese also etwa 8,9 Terawattstunden (TWh) in einem Jahr benötigen. Der Gesamtenergieverbrauch für Benzin und Diesel, für deren Erzeugung auch Strom verbraucht wird, liegt bei etwa 7 TWh. Wenn wir diese Energieleistung vom Gesamtverbrauch der Elektroautos abziehen, bleiben nur 1,9 TWh an Mehrverbrauch. Diese Energie wäre durch ein weiteres Laufkraftwerk in der Größe von Altenwörth gedeckt, das etwa 2 TWh Leistung aus erneuerbarer Wasserkraft erzeugt. Nicht hineingerechnet sind hier die extremen Mengen an Energie, die in der Erdölförderung, dem Transport des Rohöls und dem Energieaufwand für den Transport zur Tankstelle benötigt werden. In diesem Fall bliebe uns sogar viel Energie über, wenn wir auf Elektroautos umsteigen.


Wieviel Strom ein E-Auto verbraucht variiert stark: Ein Fiat 500e verbraucht laut Herstellerangaben lediglich 13 kWh pro 100 km, ein fetter Mercedes-Benz EQS 450+ schluckt für die gleiche Strecke hingegen 16 KWh. Der durchschnittliche Verbrauch eines E-Autos liegt im Moment bei rund 15 kWh für 100 Kilometer, also 150 Wh pro Kilometer. Die Tendenz geht nach unten. Die Gesetze der Physik gelten für E-Autos wie Verbrenner gleichermaßen: Je größer und schwerer das Auto, desto mehr Energie benötigt es, um beschleunigt zu werden.