Netzgebühren müssen für die Nutzung der Infrastruktur bezahlt werden. Das bedeutet, diese werden dafür eingehoben, dass Dir Leitungen für Strom und Gas zu Verfügung stehen und Energie geliefert wird.
Die Netzgebühren werden, juristisch etwas sperrig, auch als Systemnutzungsentgelt bezeichnet. Es handelt sich um ein Bündel an Gebühren, die Du dafür bezahlst, dass es ausreichend Leitungen und eine Versorgung mit Strom und Gas gibt.
Die Netzkosten bestehen aus einem ganzen Bündel an Gebühren. Wir nennen Dir die einzelnen Entgelte und auch Beispiele, was damit konkret gemeint ist:
- Netznutzungsentgelt: für Errichtung, Ausbau, Instandhaltung und Betrieb
- Netzverlustentgelt: Ausgleich beim Übertragungsverlusten
- Messleistungsentgelt: Errichtung und dem Betrieb von Zähleinrichtungen, Datenauslesung
- Netzbereitstellungsentgelt: bei Erstellung des Netzanschlusses eingefordert, kann aber auch bei deutlicher Überschreitung der vereinbarten Netznutzung gefordert werden
- Systemdienstleistungsentgelt: Ausgleich von Lastschwankungen (Minutenreserve)
- Netzzutrittsentgelt: Herstellung oder Abänderung eines Anschlusses an das Netz
- Entgelt für sonstige Leistung: Mahnspesen
Wie hoch sind die Netzgebühren?
Voraussichtlich steigen die Netzentgelte 2026 für Strom laut E-Control im Schnitt um 1,1 Prozent, nachdem diese 2025 um ein durchschnittliches Plus von saftigen 23,1 Prozent raufschellten. Die größten Anstiege 2026 verzeichnen Niederösterreich mit 6,9 Prozent, gefolgt von Tirol (11,2 Prozent) und dem Burgenland (16,1 Prozent). In Vorarlberg, Kärnten, Wien und der Steiermark hingegen sollen die Kosten leicht sinken. Den deutlichsten Rückgang soll es mit neun Prozent in Salzburg geben.
Bei Gas liegt die durchschnittliche Erhöhung bei 16,6 Prozent, genau wie 2025 auch. Das entspricht einem durchschnittlichen Plus pro Haushalt von 76,78 Euro für 2026. Besonders starke Erhöhungen gibt es in Kärnten mit 35 Prozent, gefolgt von Niederösterreich, (30 Prozent), der Steiermark (27,7 Prozent) und dem Burgenland (25 Prozent). Am geringsten ist der Anstieg der Gebühren in Oberösterreich mit 6,5 Prozent.
Wieso werden die Netzentgelte teurer?
Es gibt leider viele Gründe für den Anstieg der Netzgebühren. Einer liegt darin, dass die Netzbetreiber Milliarden in die Stromnetze stecken müssen, unter anderem um die Stromnetze nicht nur ausfallsicherer zu machen, damit es nicht zu einem Blackout kommt, sondern auch für die Energiewende. Ein weiterer Grund liegt in der generellen Inflation und Verteuerung von Ressourcen. Steigt etwa der Metallpreis, so steigen zum Beispiel auch die Kosten für jeden Strommasten. Auch werden Steuern und Abgaben generell erhöht, das treibt die Preise auch an. Noch ein Grund liegt in unserem Verhalten – der Stromverbrauch geht zurück. Das klingt nun etwas paradox, denn das ist ja prinzipiell eine gute Sache. Gleichzeitig steigt aber damit der prozentuelle Anteil der Kosten für jede Kilowattstunde.
Beim Gas dürfte der Rückgang beim Gastransit eine große Rolle spiele. Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) schätzt, dass mindestens 70 Prozent der bevorstehenden Preissteigerungen bei den Netztarifen auf den Rückgang im Gastransit zurückzuführen sind. Seit Anfang 2025 importiert Österreich kein Pipeline-Gas mehr aus Russland. Dadurch hat Österreich auch seine Rolle als Gasdrehscheibe Europas vorerst verloren. Die deutlich geringeren Transportmengen führen zu einem höheren Anteil der Fernleitungskosten im Verteilnetz. Diese vorgelagerten Kosten haben sich von 15 Millionen Euro (2024) auf rund 77 Mio. Euro im Jahr 2026 mehr als verfünffacht.
Wie werden die Netzgebühren berechnet?
Die Netzbetreiber dürfen die Höhe der Netzentgelte nicht einfach erhöhen, wie sie wollen. Für die Höhe der Netzgebühren ist die E-Control zuständig. Dafür müssen die Netzbetreiber alle ihre Aufwände für ihre Strom- und Gasnetze an die Regulierungsbehörde melden. Das beinhaltet zum Beispiel Neubau von Stromleitungen, Wartungen, aber auch die Verwaltung und den Betrieb. Jährlich werden die Netzgebühren am 1. Jänner angepasst.
Die E-Control entscheidet auch nicht frei heraus, wie hoch diese Gebühren sind. Sie muss sich an die gültigen Rechtsvorschriften halten. Diese sind in der RIS zu finden:
Wie können sich die Netzkosten ändern?
Zahlt man bei einem niedrigen Verbrauch in Relation höhere Netzgebühren und bei hohem Verbrauch niedrigere? Das ist etwas kompliziert, aber vereinfacht gesagt ja. Die Netzkosten und Abgaben setzen sich nämlich aus unterschiedlichen Teilen zusammen. Es gibt hierbei feste Beträge, die unabhängig vom Verbrauch immer in gleicher Höhe verrechnet werden, wie z.B. den Grundpreis, Entgelt für Messleistungen oder die Ökostrompauschale. Zusätzlich gibt es verbrauchsabhängige Kosten, wie z.B. den Arbeitspreis, das Netzverlustentgelt, die Elektrizitätsabgabe oder den Ökostrom-Förderbeitrag. Dies führt dazu, dass die relativen Netzkosten pro verbrauchter kWh bei niedrigem Verbrauch höher sind, als bei einem höheren Verbrauch.
Kann ich den Netzgebühren entkommen?
Derzeit ja. Wenn Du selbst Strom erzeugst und ins Stromnetz einspeist, etwa mit einer Photovoltaikanlage, zahlst Du keine Netzkosten. Dies könnte sich in Zukunft aber ändern.
Netzgebühren je nach Netz
In Österreich gibt es insgesamt über 120 verschiedene Netzbetreiber. Verbunden werden diese mithilfe überregionaler Übertragungsnetze der Austrian Power Grid (APG) und des Austrian Gas Grid Management (AGGM).
Diese Netzbetreiber halten für ihre Region ein Monopol, das bedeutet, dass nur sie Strom- oder Gasleitungen legen dürfen. Du kannst Dir Deinen Netzbetreiber daher nicht aussuchen, er ist an Deine Adresse gebunden. Jeder Haushalt in Österreich ist an ein bestimmtes und vorgegebenes Netzwerk angeschlossen.
Die Netzanbieter traten vor der Liberalisierung des Marktes als Energielieferanten auf. Heute tun sie das zwar auch, aber mittlerweile als juristisch getrennte Unternehmen – wie etwa die Wien Energie und die Wiener Netze oder die EVN und die Netz NÖ. Man spricht bei den Unternehmen auch von „Landesversorgern“. Seit 1. Oktober 2001 ist der heimische Strommarkt auch für private Anbieter geöffnet. Du kannst Dir seitdem aussuchen, welchen Energielieferanten Du beauftragst.
( Zuletzt aktualisiert: 03.11.2025. Ursprünglich veröffentlicht: 22.11.2024 )