Mit Ende Mai 2026 sind wir von Energieimporten abhängig

verfasst am 29.5.2026
Mit Ende Mai 2026 sind wir von Energieimporten abhängig

Ab dem 31. Mai kann sich Österreich rechnerisch nicht mehr selbst mit Energie versorgen. Wir sind für den Rest des Jahres auf Energieimporte angewiesen. Die Österreichische Energieagentur (AEA) sieht in der Elektrifizierung des Verkehrs den stärksten Hebel um die Importabhängigkeit Österreichs zu verringern.

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Starke Abhängigkeit und Milliardenkosten durch Importe

Der Anteil von in Österreich erzeugter Energie am Gesamtverbrauch lag 2025 bei 41 Prozent. Den Rest müssen wir importieren. Die hohe Importquote ist ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. Die Netto-Ausgaben für Energieimporte belaufen sich im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auf jährlich 10 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2022 war der Abfluss an Geldmitteln mit 20 Milliarden Euro sogar doppelt so hoch. Nach einem Rückgang auf 8 Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 angesichts des Iran-Kriegs leider ein deutlicher Anstieg erwartet.

Dies zeigt das Problem bei Energieimporten: Durch unsere Abhängigkeit werden wir zum politischen Spielball. Dazu kommt, dass diese Energieimporte meist auch noch fossil sind. Denn erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse können vollständig im Inland erzeugt werden. Bei fossiler Energie ist die Importabhängigkeit hingegen besonders hoch: Mehr als 90 Prozent bei Gas, 95 Prozent bei Öl und 100 Prozent bei Kohle. Die Importe stammen meist aus außereuropäischen Ländern wie Kasachstan, Libyen oder den USA.

Die Abhängigkeit von Energieimporten kostet Österreich jedes Jahr Milliarden. Gleichzeitig zeigen erneuerbare Energien, dass wir Wertschöpfung im Land halten können. Sie sind ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit.

Franz Angerer
Geschäftsführer Österreichische Energieagentur

Österreich importiert täglich rund 170.000 Barrel Rohöl. Allein in den ersten drei Monaten des aktuellen Konflikts der USA mit dem Iran entstanden infolge der gestiegenen Ölpreise Import-Mehrkosten von rund 450 Millionen Euro.

Die Nutzung von Energieträgern ist je nach Sektor unterschiedlich. Besonders hoch ist der Anteil fossiler Energieträger in der Industrie mit Gas und im Verkehr mit Öl. Im Jahr 2025 wurden 104 TWh Ölprodukte verbraucht, davon 85 Prozent im Verkehrssektor. Unserer Abhängigkeit spüren wir daher besonders an der Tankstelle – und dürfen nun auch um unsere Versorgungssicherheit bangen.

Elektrisierung des Verkehrs

Die Österreichische Energieagentur (AEA) sieht einen zentralen Hebel zur Reduktion der Importabhängigkeit in der Elektrifizierung des Verkehrs. Während der Wirkungsgrad bei Elektroautos bei rund 75 Prozent liegt, sind es bei Diesel nur rund 25 Prozent. Das bedeutet: Drei Viertel der eingesetzten Energie gehen bei klassischen Kraftstoffen „verloren“ – im Grunde entwickeln sie sich nur zu Wärme und weniger zu Bewegung.

Laut AEA besitzen wir die technischen und systemischen Voraussetzungen bereits, um Elektromobilität flächendeckend umzusetzen. Wenn wir bis 2040 den gesamten Verkehrssektor elektrifizieren, haben wir einen zusätzlichen Strombedarf von 18 TWh. Das entspricht genau dem Erneuerbaren-Ausbau von 2010 bis 2024.

Am besten Weg dorthin sind wir auch. Denn die Zahl an Neuzulassungen von E-Autos geht stark nach oben. In den Monaten März und April lag der Anteil bei 25 bzw. 26 Prozent. Bis Ende April 2026 wurden in Österreich 24.469 E-Pkw neu zugelassen. Das sind 23,4 Prozent aller Neuzulassungen. Gegenüber dem Vorjahr ergibt dies ein Plus von 23,2 Prozent.

Diesen Trend bestätigen auch Zahlen aus dem Gebrauchtwagensektor: Die private Verkaufsplattform willhaben verzeichnet im März 2026 bei den Anfragen auf E-Autos einen Anstieg um fast 100 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Jahresvergleich lagen die Anfragen sogar um den Faktor 2,3 höher als noch im März 2025.

Das Laden geschieht an den rund 37.000 öffentlichen Ladepunkten und etwa 200.000 Wallboxen in Österreich. Damit gibt es rechnerisch pro sieben E-Autos eine Ladestation und pro 30 E-Autos einen Superschnelllader. Die Infrastruktur in Österreich liegt im europäischen Vergleich daher recht weit vorn, so die AEA.

E-Autos als Teil des Energiesystems

Ein bedeutender Vorteil der Elektromobilität: Elektrofahrzeuge werden zunehmend Teil des Energiesystems. Durch intelligentes Laden können sie gezielt dann Strom aufnehmen, wenn besonders viel erneuerbare Energie verfügbar ist – das stabilisiert die Netze, reduziert Lastspitzen und senkt Kosten. Einsparungen von bis zu 20 Prozent sind selbst bei einfachem Lastmanagement möglich.

Mit bidirektionalem Laden können Fahrzeuge künftig aber auch Strom zurück ins Netz oder in Gebäude einspeisen. So wird das E-Auto zu einer großen Haushaltsbatterie. Ein Elektroauto kann bei durchschnittlich rund 80 Kilowattstunden Speicherkapazität, halbvoll geladen, ein Einfamilienhaus etwa drei Tage mit Strom versorgen. Das schafft Versorgungssicherheit, besonders in Kombination mit Photovoltaik. Für das breite Ausrollen des bidirektionalen Ladens fehlen aber bislang noch standardisierte technische Protokolle zwischen Auto, Ladestelle und Energiehändler sowie Regularien, auf deren Basis Ladeverträge geschlossen werden.

Die AEA fordert daher einen übergeordneter Elektrifizierungsplan. Statt vieler Einzelmaßnahmen und -förderungen wünscht man sich einen übergeordneten Elektrifizierungsplan, der nicht nur den Verkehr als einen Baustein berücksichtigt, sondern auch langfristige Orientierung für den Industrie- und Wärmesektor bietet.

E-Schwerverkehr steht vor dem Durchbruch

Die Elektrisierung betrifft nicht nur PKW, auch im Schwerverkehr zeichnet sich ein Wendepunkt ab: Steigende Energiepreise und starke technologische Entwicklungen haben dazu geführt, dass elektrisch betriebene Lkw zunehmend wirtschaftlich werden.

Der Break-even liegt laut Branchenangaben bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Bis Ende 2025 waren knapp 18.000 E-Lkw in Österreich zugelassen, allein bis Ende April 2026 kamen in diesem Jahr 1.611 neue Fahrzeuge hinzu.

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Über die Autorin
Geschrieben von Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Mag. Victoria Breitsprecher, MA
Victoria ist technische Redakteurin bei tarife.at. Sie bringt hochkomplizierte, technische Begriffe in eine verständliche Sprache. Unterstützung bekommt die Technik-Liebhaberin von ihrem Büro-Hund, Herr Baron 🐶.