Die Netzversorger planen neue Netztarife, die abhängig von der gleichzeitig verbrauchten Leistung verrechnet werden sollen. Diese sollen per 01. Jänner 2027 in Kraft treten.
Wir alle brauchen immer mehr Strom und belasten die Netze ganz schön. Doch die Menge des Stroms ist weniger das Problem, sondern die Uhrzeit, zu der wir ihn brauchen. Mit den neuen Leistungstarifen soll dann nicht mehr nur die verbrauchte Strommenge maßgeblich für die Verrechnung sein, sondern auch die maximal in Anspruch genommene Leistung.
Am schlimmsten für die Netzstabilität sind nämlich die sogenannten Netzspitzen. In der Früh und in den Abendstunden schießt unser Strombedarf besonders in die Höhe. Genau dann wird besonders viel Strom gleichzeitig benötigt und dann glühen die Leitungen. Im besten Fall steigen davon „nur“ unsere Stromkosten, im schlimmsten führen solche Extreme sogar bis zum Blackout. Eigenverantwortung ist gefragt, doch spätestens seit der Pandemie wissen wir, dass es damit nicht immer einfach ist.
Die Netzlast soll besser verteilt werden
Bisher war die einzig variable Größe beim Strompreis die verbrauchte Menge. Für die Beanspruchung der Netze wird derzeit eine fixe Pauschale eingehoben. Die Netzbetreiber möchten nun leistungsabhängige Netztarife schaffen, die die Haushalte belohnen, die ihren Strombedarf besser verteilen. Was genau bedeutet das? Im Idealfall lädst Du Dein eAuto nicht in zwei Stunden mit voller Power, sondern zu Hause über Nacht langsam auf. Bei 50 Kilowattstunden werden so über eine längere Zeit nicht mehr als 5 kW Leistung angefordert, statt einer Leistungsspitze von 25 kW in der Stunde.
Keine Sorge, niemand verbietet Dir Strom zu verbrauchen, wann Du magst und so viel Du magst. Es geht hier nur um einen zusätzlichen finanziellen Anreiz, um die Netze zu schonen. In ähnlicher Form gibt es solche Tarifstrukturen jetzt schon bereits für Gewerbe und Handel.
Überspitzt gesagt, solltest wir für die weitere Versorgungssicherheit aber nicht gleichzeitig auf vier Herdplatten kochen und währenddessen auch noch Backrohr, Waschmaschine, Geschirrspüler, Wärmepumpe und Poolpumpe laufen lassen, sondern diese Geräte nacheinander einschalten.
Mit besserer Verteilung sollen Haushalte profitieren
Für Haushalte in Wohnungen mit einem gleichmäßigen Stromverbrauch soll es laut Werner Hengst, Geschäftsführer von Netz Niederösterreich, zu keinen Mehrkosten kommen. Haushalte, die ein E-Mobil, eine Wärmepumpe oder sonst ein Gerät mit hoher Leistung besitzen, werden aber besser ihre Verbrauchsmuster überprüfen. Um diese Muster generell besser zu erkennen, soll es künftig auch eine eigene App geben, zumindest bei den Wiener Netzen und dem Netz NÖ.
Wer darauf achtet, nicht allzu viele Geräte gleichzeitig in Betrieb zu nehmen und seinen Verbrauch gleichmäßig verteilt, soll profitieren.
Brigitte EdererSprecherin des Forums Versorgungssicherheit
Die konkrete Ausgestaltung des Leistungstarifs ist allerdings noch offen. In die gleiche Kerbe schlägt übrigens bereits die sommerliche Senkung des Arbeitspreises des Netznutzungsentgelts, auch SNAP genannt. Auch hiermit sollen Haushalte ermutigt werden, Strom zu bestimmten Uhrzeiten eher zu verbrauchen.
Technische Grundlage für den Leistungstarif sind Smart Meter, die den Stromverbrauch in Viertelstundenintervallen messen. Für die Abrechnung soll die höchste gemessene gemittelte Viertelstunden-Leistung innerhalb eines Monats herangezogen werden. Die gesetzliche Basis liefert hierfür das ElWG §128 und 135. Nun ist die Regulierungsbehörde E-Control am Zug, die mittels Verordnungen die neuen Tarifstrukturen festlegen wird.
Warum ist die Netzbelastung so ein Problem?
Strom wird erzeugt und muss in dem Moment verbraucht werden, indem er ins Netz gespeist wird. Noch gibt es nämlich keine Stromspeicher im großen Stil. So haben wir ein Problem, wenn Strom in großem Stil in einem ganz engen Zeitfenster benötigt wird, während die Stromerzeugung gleichmäßig rund um die Uhr läuft. Das ist übrigens nicht nur ein Problem der Energiewende und der erneuerbaren Energien, denn nur die wenigsten Stromerzeugungssysteme können rasch auf eine veränderte Netznutzung reagieren. Dazu gehört etwa die Wasserkraft, aber auch Gaskraftwerke.
Forum Versorgungssicherheit
Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.