Diesen Sonntag jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Am 26. April 1986 kam es in Reaktor 4 zur Kernschmelze. Drei Tage danach erreichte die Wolke mit radioaktivem Material Österreich.
Die tatsächlichen Gründe für die atomare Katastrophe hat wohl das Dunkel der Geschichte geschluckt, denn ob es nun ein absichtlicher Test, ein Bedienfehler oder schlichtweg die gravierenden Konstruktionsmängel im AKW Tschernobyl waren, die zum Super-GAU geführt haben, sind nachträglich schwer nachzuzeichnen. Auch weil es bereits 1982 in Tschernobyl zu einem großen Unfall, bei dem das zentrale Brennelement von Block 1 durch Überhitzung zerstört wurde. Nicht nur das Kraftwerksgelände, auch das angrenzende Industriegebiet und Teile der Stadt Prypjat wurden damals mit hoher Strahlenbelastung belastet.
Fest steht am 26. April 1986 geriet Reaktor 4 um 1:23 außer Kontrolle und explodierte. Dabei wurden riesige Mengen an radioaktivem Material herausgeschleudert. Diese Nuklearkatastrophe wurde in die höchste Kategorie katastrophaler Unfall (INES 7) eingeordnet. Zunächst versuchte man den Vorfall zu vertuschen, doch schließlich wurde es auf Grund von internationalem Druck bekannt.
Tschernobyl liegt im heutigen Gebiet der Ukraine, damals noch in der Sowjetunion. Mehr als 100.000 Menschen wurden umgesiedelt, so auch die rund 50.000 Einwohner:innen der rund drei Kilometer entfernten Stadt Prypjat, die damals neu angelegt worden war. Eine 30-Kilometer-Zone rund um Tschernobyl wurde eine unbewohnbare Sperrzone.
Die Katastrophe verseuchte nicht nur die Ukraine, sondern auch große Teile des Belarus und Russlands. Durch die Windverfrachtung waren aber auch weitere Länder in Ost-, Mittel und Nordeuropa vom radioaktiven Fallout betroffen.
Folgen für Österreich
Österreich zählte zu den stark betroffenen Gebieten, nach dem Belarus waren wir am zweitstärksten betroffen. Auf Grund der Wetterlage war nämlich die Kontamination durch den Regen besonders hoch. Auch heute noch findet sich die höhere Bestrahlungslast bei Wildfleisch, Pilzen aber natürlich auch im Boden. Besonders das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren ist bis heute nachweisbar. In Österreich kamen laut der TORCH-Studie von 2016 durch Tschernobyl 1.600 Menschen zu Tode, vor allem durch Leukämie und Schilddrüsenkrebs.
Sarkophag
Fukoshima und viele andere
Tschernobyl sollte bedauerlicherweise nicht der einzige Unfall der Kategorie 7 bleiben: 2011 kam es zur Katastrophe von Fukushima, ausgerechnet im technikaffinen Japan. Wie viele Unfälle vertuscht werden konnten, ist heute schwer zu schätzen: Fest steht jedoch dass es 1982 bereits einen INES 5- großen Unfall in Tschernobyl gab.
Auch gab es immer wieder große Unfälle, die bekannt wurden: Zum Beispiel 1957 im russischen Kyschtym, sowie im britischen Sellafield, 1966 in den USA in Enrico Fermi, 1969 (und erneut 1980) im französischen Saint-Laurent, 1977 im slowakischen Bohunice, 1979 in den USA auf Three Mile Island, 1987 im russischen Belojarsk und 1999 im japanischen Tokaimura.
Billiger Atomstrom?
Immer wieder wird trotz der immensen Gefahr argumentiert, dass Atomstrom dafür besonders billig sei. Dies ist leider eine Lüge der Atomlobby. Die Milliarden-Förderungen für Kernenergie machen diese nahezu unantastbar. Sogar das Beihilfen- und Wettbewerbsrecht der EU wird ausgehebelt (wie etwa beim britischen Kernkraftwerks Hinkley Point C oder beim ungarischen Paks). Der finanzstarke Arm der Atomenergie macht eben auch Politik: Die EURATOM teilt mit der EU sämtliche Organe, auch wenn sie eine eigenständige Organisation ist, und wird aus dem allgemeinen EU-Haushalt finanziert.